Archivalien aus dem Stadtarchiv: 'Denkmäler in Ratzeburg'
In diesem Jahr soll sich unsere Rubrik der 'Archivale' mit "Denkmälern in Ratzeburg" beschäftigen. Denkmäler werden errichtet, um Erinnerung wach zu halten, Gedenken zu fördern, bestimmte Personen zu ehren oder historische Ereignisse und Orte besonders hervorzuheben.
Diejenigen, die ein Denkmal errichten und eine Person bzw. ein Ereignis als erinnerungswürdig erachten, heben damit oft auch eine Vorbildfunktion heraus. Da soll etwas im kollektiven Gedächtnis festgehalten werden. In der Regel erfüllen Denkmäler keinen praktischen Zweck. Anders als in einem Museum oder in einer Gedenkstätte wird Geschichte durch Denkmäler nicht erklärt.
Denkmäler haben ihren Platz im öffentlichen Raum und behaupten ihn oft weit über die Epoche hinaus, in der sie errichtet wurden. Sie werden Teil des Stadtbildes und unseres Alltags. Als Relikte früherer historischer und kultureller Gegebenheiten stellen wir sie in der Regel nicht mehr infrage. Erst wenn eine Umsetzung, eine Veränderung oder gar ein Abriss ansteht, werden Denkmäler zum Gegenstand oft hitziger Debatten. Mit einem Blick auf unsere Ratzeburger Denkmäler möchten wir die historischen Kontexte ihrer Aufstellung erläutern und erklären, wofür diese Denkmäler stehen und was wir von ihnen erfahren können.
In dieser Archivale wird das Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkrieges "Unter den Linden" vorgestellt.
Archivale 07/2025 - Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkrieges "Unter den Linden"
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Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden die Gedenkfeiern zum Volkstrauertag auf dem Ehrenfriedhof auf dem St. Georgsberg statt. Der von hohen Linden eingefasste Friedhof, der an den Bergfriedhof der Kirchengemeinde angrenzt, ist rund 2.800 m² groß und wird vom Kreis Herzogtum Lauenburg unterhalten. Der Militärfriedhof geht auf Ratzeburgs lange Tradition als Garnisonsstadt zurück. Für die verstorbenen Soldaten der hannoverschen Garnison der damaligen Festung Ratzeburg wurde im Frühjahr 1693 ein eigener Friedhof angelegt.
Die heutige bastionsartige Anlage mit einem Hochkreuz und sechs über die Anlage verteilten Kreuzgruppen aus Granit wurde 1955/56 durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge neugestaltet. Offenbar bestand in der Öffentlichkeit der Wunsch, darüber hinaus auch an zentralerer Stelle eine Gedenkstätte für die Opfer des Zweiten Weltkriegs einzurichten. Gedacht war dieses Ehrenmal „in erster Linie für ältere Leute […], die den steilen Weg zum Ehrenfriedhof nicht mehr hinaufkommen.“
Im Bericht des Bürgermeisters in der Sitzung der Stadtvertretung vom 4. November 1958 wurde dieses Thema erstmals angesprochen. Zur Planung eines Mahnmals wurde ein besonderer Ausschuss gewählt. Zwischenzeitlich tauchte aber auch die Überlegung auf, "kein neues Ehrenmal zu schaffen, sondern die vorhandene Anlage auf dem Ehrenfriedhof hierfür zu verwenden" (Sitzung der Stadtvertretung am 24. Mai 1960). Außerdem wurde der Gedanke diskutiert, ob nicht durch die Anlegung eines "Ehrenbuchs" "der Toten am besten gedacht werden könnte."
Eine Firma aus Hannover bot bundesweit den Kommunen an, solche "Ehrenbücher" zu gestalten und die erforderlichen Recherchen zu den Namen und Lebensdaten der Gefallenen zu übernehmen. Nach Fotos gezeichnete Porträts sollten die einzelnen Einträge ergänzen. Wegen erheblicher Unstimmigkeiten über die Finanzierung und Durchführung des Projektes nahm die Stadt 1963 Abstand von diesem Projekt. Inzwischen war das Mahnmal 'Unter den Linden' fertiggestellt worden.
Die Stadtvertretung hatte sich in ihrer Sitzung am 20. Dezember 1961 zwar ausdrücklich dazu bekannt, dass „der Ehrenfriedhof […] die zentrale Gedenkstätte der Ratzeburger Bevölkerung für die Opfer beider Weltkriege [ist]“, gleichzeitig aber beschlossen, dass „für die Opfer des 2. Weltkrieges […] an der Südseite der Anlagen Unter den Linden vor einer aus drei Birken bestehenden Baumgruppe ein Mahnstein errichtet [wird], der die Inschrift tragen soll: ‚Den Opfern des 2. Weltkrieges‘“.
Der dazu ausgewählte Findling war bei den Bauarbeiten einer Eigenheimgruppe an der Friedrich-Ebert-Straße gefunden worden. Wie viele andere Denkmäler, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden, zeigt auch dieser Stein eine Sprach- und Bildlosigkeit angesichts des Geschehenen. Neben einem Kreuz trägt er nur die Jahreszahlen 1939 und 1945 für den Beginn und das Ende des Krieges.
Die Einweihung des Mahnmals fand im Rahmen der 900-Jahrfeier der Stadt Ratzeburg am 31. August 1962 statt. Die Ansprache hielt der damalige Bürgervorsteher Dr. Gustav Woellert. Landessuperintendent Ernst Fischer und der katholische Pastor Paul Burger schlossen sich mit Gedenkworten an.

