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17.06.2024

Archivalen des Monats:
Archivale 04/2024 - "War hier nicht früher mal ... ein Erholungsheim?"

Dass sich unsere Stadt ebenso wie unser Leben in einem beständigen Wandel befindet, ist fast schon ein Gemeinplatz. Unsere Lebensverhältnisse, Ansprüche und Bedürfnisse ändern sich ständig. Das wirkt sich auch auf unsere unmittelbare Umgebung aus. Wir können das in unserem Lebensumfeld betrachten. Viele Veränderungen nehmen wir nach kurzer Zeit gar nicht mehr wahr. Oft erinnern wir uns erst beim Betrachten alter Fotos an Telefonzellen, Parkuhren oder Fernsehantennen auf den Hausdächern. Ach ja, und an der Ecke gab es ja den Bäcker und daneben hat Opa immer seinen Lottoschein abgegeben.  Der Wandel zeigt sich nicht nur an den alltäglichen Dingen, er betrifft auch die "großen" Einrichtungen, auch wenn sie noch solide und unverrückbar erscheinen. Betriebe, Behörden und Institutionen fusionieren, brauchen mehr Platz oder werden überflüssig. 

Unsere Reihe "Archivale des Monats" wird sich in diesem Jahr mit Firmen, Einrichtungen und Institutionen beschäftigen, die aus dem Stadtbild verschwunden oder an einem ganz anderen Ort neu entstanden sind. Manchmal bleibt dann eine Lücke, manchmal entsteht an gleicher Stelle aber etwas völlig anderes. Nicht immer werden die Bilder- und Textquellen in unserem Archiv erschöpfend Auskunft über das geben können, was früher einmal vorhanden war. Darum bitten wir alle, die noch historische Dokumente zu unseren Themen haben oder Erinnerungen beisteuern mögen, um ihre Unterstützung. 

Archivale 04/2024 - "War hier nicht früher mal ... ein Erholungsheim?"

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Kaum jemand wird sich noch an das Erholungsheim Walkmühle erinnern, und die Geschichte der Walkmühle dürfte nur noch wenigen ortsgeschichtlich Interessierten bewusst sein. Ein Blick in die Akten des Stadtarchivs gibt Aufschluss. In einer Akte des Stadtarchivs (“Verkauf der auf dem Dermin belegenen Betriebs- (Walk-) Mühle“, Nr. 4384) befindet sich ein Erbpachtvertrag zwischen dem Magistrat und dem Färbermeister Friedrich Gottlieb Brunnenberg, der beabsichtigte, am Ufer der Küchensees eine Mühle anzulegen. Der Vertrag ist auf den 19. Juni 1851 datiert, der Bau ist dann im selben Jahr begonnen worden. 1856 wurde die Mühle an den Zimmergesellen Friedrich Vorbeck verkauft. 1868 wurde die Mühle an den Walkmüller Holst verpachtet. Leider geht aus dem Quellen nicht hervor, wie lange die Walkmühle als solche in Betrieb war.

Am 24. Januar 1925 erwarb die Allgemeine Ortskrankenkasse Lübeck die Walkmühle am Waldesruher Weg, um auf dem Grundstück ein „Erholungsheim für blutarme und schwächliche weibliche Kassenmitglieder“ einzurichten (Stadtarchiv Ratzeburg Nr. 5611) Hierzu sollten auch ein Spielplatz und ein Sonnenbad geschaffen werden. Das „Genesungsheim“ Walkmühle wurde später (vermutlich 1938) von der Landesversicherungsanstalt übernommen, die das Grundstück dann 1959 an Nikolaus Barlach verkaufte.

Vor einigen Jahren konnte das Stadtarchiv eine Serie von Postkarten aus der Zeit erwerben, in der die Walkmühle von der AOK Lübeck betrieben wurde. Darunter befinden sich auch einige sehr schöne Innenaufnahmen. Die Aufnahmen stammen von dem Fotografen Otto Willers, der 1909 nach Ratzeburg kam und 1927 nach Lübeck ging. Die Kartenserie ist daher vermutlich in der Anfangszeit des Erholungsheims hergestellt worden. So konnten die Patientinnen liebe Grüße an ihre Familien daheim senden und einen Eindruck vermitteln, wie gut ihnen der Aufenthalt am Küchensee bekam.







Quelle: Stadtarchiv Ratzeburg - Stadtarchviar Christian Lopau