Die Stadt Ratzeburg und das Amt Lauenburgische Seen sind im Mai 2024 gemeinsam in die Europäische Städtekoalition gegen Rassismus (ECCAR - European Coalition of Cities Against Racism) aufgenommen worden. Vorangegangen war eine mehrmonatige Bewerbungsphase, in deren Zuge ein 10-Punkte-Aktionsplan gegen Rassismus und Diskriminierung entwickelt und in den kommunalpolitischen Gremien in Stadt und Amt beraten und jeweils einstimmig beschlossen wurde. Die Initiative zur Bewerbung war vom Begleitausschuss der Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen ausgegangen. Ein konkreter Fall und die Intervention einer Betroffenen hatte dort die Überlegungen reifen lassen, die Arbeit gegen Rassismus nicht mehr nur punktuell mit einzelnen Präventionsprojekten, sondern zukünftig strukturell im Partnerschaftsnetzwerk anzulegen. Die Mitgliedschaft in der Europäische Städtekoalition gegen Rassismus (ECCAR - European Coalition of Cities Against Racism) ist das Bekenntnis zu dieser gemeinsamen Arbeit.
Die Europäische Städtekoalition gegen Rassismus (ECCAR) ist ein Bündnis europäischer Städte, das gegründet wurde, um sich aktiv gegen Rassismus auf kommunaler Ebene einzusetzen. Um dieses Ziel zu erreichen, hat das Städtenetzwerk einen 10-Punkte-Aktionsplan erarbeitet und ermöglicht daneben auch den Austausch von Best Practice und Vernetzung zwischen den Städten im Bereich Antirassismus. Die Gründung des Bündnisses geht auf eine Initiative der UNESCO, der Internationalen Städte-Koalition gegen Rassismus (ICCAR), aus dem Jahr 2004 zurück. Derzeit gehören dem Netzwerk etwa 192 Städte und Gemeinden aus 23 verschiedenen europäischen Ländern an. Koordiniert wird die Arbeit der Koalition durch ihre Geschäftsstelle in der Stadt Heidelberg.
Mit der Mitgliedschaft bei der ECCAR stehen Stadt und Amt jetzt vielfältige Unterstützung für die Umsetzung des eigenen Aktionsplans und die damit verbundene antirassistische Arbeit zur Verfügung. Es sollen nachhaltige Strukturen entstehen und möglichst viele Menschen, Institutionen und Verantwortliche eingebunden und für gemeinsamen Kampf gegen Rassismus und für Vielfalt in unserer Gesellschaft gewonnen werden. Die Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen unterstützt diesen Prozess mit der Einrichtung einer Koordinierungsstelle. Ein wichtiger Schritt wird zudem die Reaktivierung des Ratzeburger Bündnisses sein, das vor einigen Jahren sehr erfolgreich gegen Rechtsextremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit wirken konnte. Mit der Umsetzung des 10-Punkte-Aktionsplan gegen Rassismus und Diskriminierung wartet jetzt eine neue Herausforderung auf das Bündnis.
Auf der diesjährigen Frühjahrstagung des Lenkungsausschusses der 'Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus' (ECCAR - European Coalition of Cities against Racism) wurde Evans Gumbe mit einem einstimmigen Vorstand als Vizepräsident in den Vorstand dieses Netzwerks berufen. Evans Gumbe ist seit 2024 für die 'Partnerschaft für Demokratie' der Stadt Ratzeburg und das Amt Lauenburgische als Koordinator für Antirassismusarbeit tätig. Er begleitet federführend die Umsetzung des '10-Punkte-Aktionsplans gegen Rassismus', mit dem Stadt und Amt dem ECCAR-Netzwerk beigetreten sind und leitet die Arbeitsgruppe 'Antirassismusarbeit im ländlichen Raum', die sowohl lokal als auch europäisch mit 15 kleinerer ECCAR-Städten organisiert ist.
Im Zuge dieser Arbeit hat er den Entschluss gefasst, sich auch aktiv in den Vorstand der 'Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus' einzubringen und sich mit Unterstützungsschreiben von Stadt und Amt dafür beworben. Die Resonanz auf diese Bewerbung aus dem ländlichen Raum fiel sowohl im ECCAR-Büro in Heidelberg als auch im zuständigen Lenkungsausschuss äußerst positiv aus. Zum einen wurde die unbestreitbare Expertise, die Evans Gumbe in diesem ehrenamtliche Amt mitbringt, gewürdigt, zum anderen aber auch seine besondere Perspektive aus der schwarzen Community, die im Vorstand als große Bereicherung gesehen wird.
"The election of Evans Gumbe to the ECCAR Board is a recognition that is both well-deserved and significant for our entire network. Evans has shown, with concrete work, that anti-racism is not only an urban challenge: it is a challenge for every community, including small cities and rural areas. His expertise, his perspective, and his commitment make our Board stronger and more representative of the Europe we want to live in", Benedetto Zacchiroli, President of ECCAR
„Die Wahl zum Vizepräsidenten von ECCAR ist für mich eine große Ehre und zugleich eine Verantwortung, der ich mit Respekt und großer Motivation begegne. Mir ist bewusst, dass noch viel Arbeit vor uns liegt. Besonders wichtig ist mir, die Perspektiven von Betroffenen von Rassismus stärker sichtbar zu machen und die Antirassismusarbeit auch in kleinen Städten und ländlichen Räumen nachhaltig zu stärken. Dabei verstehe ich diese Aufgabe ausdrücklich als Teamarbeit – nur gemeinsam können wir langfristige Veränderungen erreichen“, sagt Evans Gumbe
In der Stadt Ratzeburg und dem Amt Lauenburgische Seen wurde die Wahl von Evans Gumbe zum ECCAR-Vizepräsidenten mit Freude vernommen. „Evans Gumbe ist der richtige Mann am richtigen Platz. Wir sind alle so stolz, dass er an dieser Stelle für uns wirken kann“, sagt Amtsvorsteher Heinz Dohrendorff. "Im Namen der Stadt Ratzeburg gratuliere ich Herrn Gumbe herzlich zu Wahl zum Vizepräsidenten des europäischen Städtenetzwerk gegen Rassismus. Mit seiner Berufung wird die wertvolle Arbeit von Herrn Gumbe sowie der vielen engagierter Menschen im Bereich der Bekämpfung von Diskriminierung und Rassismus in Ratzeburg und im ländlichen Raum des Amtes Lauenburgische Seen gewürdigt. Ich bin mir sicher, dass durch die aktive Gestaltungskraft, die Herr Gumbe auf internationaler Ebene einsetzen wird, auch eine große Wirkung auf unsere gemeinsame Heimat entfalten wird", sagt Ratzeburgs Bürgermeister Eckhard Graf.
Das 'Bündnis für Demokratie und Menschenrechte in Ratzeburg und Umland' hat sich auch in diesem Jahr wieder mit eigenen Beiträgen in die 'Internationale Wochen gegen Rassismus' eingebracht. In einem Podiumsgesprächen mit Betroffenen im Jugendzentrum 'GLEIS 21' wurde das Phänomen des antimuslimischen Rassismus ausgeleuchtet. Emel Balık und Wladimir Haase vom Projekt 'Vielklang. Gemeinsam gegen antimuslimischen Rassismus' der Türkischen Gemeinde S.-H. e.V., das in Kiel vor allem in Schulen und Jugendeinrichtungen Sensibilisierungs- und Empowermentangebot organisiert, berichteten von der Alltäglichkeit von Angriffen und Diskriminierungen aus antimuslimisch rassistischen Motiven in Deutschland. Evans Gumbe, Koordinator der lokalen Antirassismusarbeit, konnte diese Beschreibung mit eindrucksvollen Zahlen unterlegen. Laut repräsentativem 'Motra-Monitor' (2026) teilen 43 Prozent der Bevölkerung antimuslimische Einstellungen. Mehr als 28 Prozent der Befragten haben eine manifest muslimfeindliche Haltung. Zu ganz ähnlichen Ergebnissen kommt auch die repräsentative Leipziger Autoritarismus Studie (2024). Dort stimmen die Hälfte (48,3 Prozent) der Befragten stimmt der Aussage zu, sich "durch die vielen Muslime [...] manchmal wie ein Fremder im eigenen Land" zu fühlen. Mehr als ein Drittel (34,9 Prozent) der Befragten findet, dass Muslim*innen die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden sollte.
Zusammen mit Tarek Al-Shadidi vom Bündnis wurden diese Erfahrungswerte und Zahlen in konkrete Lebensrealitäten übersetzt. Die Zuhörerschaft erfuhr so aus erster, wie sehr sich die Welt verändert, wenn man sich ein Kopftuch umbindet oder es ablegt und wenn man als Mensch allein darauf reduziert wird. In dem Podiumsgespräch kamen auch ganz offensichtliche Nachteile zur Sprache, die muslimisch gelesene Menschen in ihrem Alltag erfahren müssen, in ihren beruflichen oder schulischen Umfeld erfahren, in Verwaltungen oder bei der Wohnungssuche und wie sie schnell zur Zielscheibe von verbalen oder tätlichen Übergriffen werden können. Auch sehr junge Menschen sind von antimuslimischen Rassismus betroffen, oft auch an vermeintlich sicheren Orten, wie die Schulen oder Kitas. Evans Gumbe wies an dieser Stelle daraufhin, dass auch aus Ratzeburg und dem Umland solche Vorfälle gemeldet werden. Entsprechend hat sich die Arbeitsgruppe 'Antirassismusarbeit im ländlichen Raum' innerhalb des 'Bündnis für Demokratie und Menschenrechte in Ratzeburg und Umland' entschlossen, hier mit Nachdruck dran zu arbeiten. "Wir wollen gemeinsam einen Maßnahmenkatalog gegen antimuslimischen Rassismus entwickeln. Die 'Europäische Städtekoalition gegen Rassismus' (ECCAR) unterstützt uns dabei fachlich. Grundlage dafür ist eine Fragebogenaktion, die sich gezielt an Betroffene von Rassismus richtet und ihren Erfahrungen erfassen sollen", so Evans Gumbe.
Ein weiterer Beitrag zu den 'Internationale Wochen gegen Rassismus' war wie schon im Vorjahr musikalisch. Das Chorprojekt 'POLITICALied' organisierte mit über 25 Sängerinnen und Sänger einen offenen Chorworkshop unter Leitung von Anna Bertram. Geprobt worden Lieder mit einer klaren Botschaft gegen Rassismus und Hass. Das anschließende und gut besuchte Chorkonzert unter dem Titel "Herz einschalten - Rassismus ausschalten' wurde dem schwarzen Bluespianisten Daryl Davis gewidmet, der seit vielen Jahren den Dialog zu Mitgliedern des Ku-Klux-Klan sucht und sie fragt: "Wie kannst du mich hassen, wenn du mich gar nicht kennst?" Mit seiner Offenheit und Neugier ist er erfolgreich. Über 200 Klan-Mitglieder haben sich von ihm überzeugen lassen und ihre Kutten abgelegt. Einige sind inzwischen gute Freunde von ihm geworden. Inspiration für diese Dialoge findet Daryl Davis dabei in der Musik. Auch sie schafft es, nur durch Zuhören Herzen zu bewegen.
Dass in Ratzeburg und dem Amt Lauenburgische Seen die Bedeutung von Antirassismusarbeit für den gesellschaftlichen Zusammenhalt erkannt ist, zeigten in der Wochen auch wieder die Fahnen vor dem Ratzeburger Rathaus und den Amtsgebäuden. "Herz einschalten – Rassismus ausschalten" stand dort groß zu lesen. Gefördert wurden diese Beiträge über die 'Partnerschaft für Demokratie' der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen im Rahmen des Bundesprogramms 'Demokratie leben!'.
Unter dem Motto "Herz einschalten - Rassismus ausschalten" erklingt am 22. März 2026 um 16:00 Uhr ein Chorkonzert im Ratzeburger Ratssaal. Es ist ein Beitrag zu den 'Internationalen Wochen gegen Rassismus', an denen sich die 'Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgischen Seen' seit vielen Jahren mit Überzeugung beteiligen. Es geht darum, über Rassismus ins Gespräch zu kommen, Wissen zu teilen, aber auch vor allem auch die Stimme zu erheben. Dies gelingt ganz einfach im gemeinsamen Singen.
Im Rahmen des Chorprojektes 'POLITICALied' unter der Leitung von Anna Bertram werden Lieder präsentiert, die sich mit dem Wesen von Rassismus und mit Rassismuserfahrungen auseinandersetzen. Sie wurden während eines offenen Chorworkshops von Menschen eingeübt, denen diese Botschaft am Herzen liegt. Umrahmt wird das Konzertprogramm von Gedanken zur Antirassismusarbeit vor Ort, die in der Stadt Ratzeburg und dem Amt Lauenburgische Seen im Rahmen ihrer Mitgliedschaft in der 'Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus - European Coalition against Racism' (ECCAR) gemeinsam mit Betroffenen organisiert wird.
Das gemeinsame Chorprojekt des Vereins Miteinander leben e.V. und der Volkshochschule Ratzeburg und Umland e.V. wird gefördert über die 'Partnerschaft für Demokratie' der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen im Rahmen des Bundesprogramms 'Demokratie leben!'. Der Eintritt ist frei, der Zugang barrierefrei möglich. Auch Anmeldungen zum Chorworkshop sind weiterhin möglich unter miteinander.leben@t-online.de. Dieser startet am 20.03.2026 um 17:30 Uhr im Ratssaal des Ratzeburger Rathauses.
Die 'Internationalen Wochen gegen Rassismus' sind ein wiederkehrender Aktionszeitraum rund um den „Internationalen Tag gegen Rassismus“ am 21. März eines jeden Jahres. Dieser Tag erinnert an das Massaker von Sharpeville in Südafrika. Die „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ laden seit 1979 weltweit Menschen ein, sich unter der Botschaft „Zusammen gegen Rassismus – 100 % Menschenwürde“ persönlich zu engagieren. In Ratzeburg und dem Amt Lauenburgische Seen wird dieser jährliche Aufruf von der 'Partnerschaft für Demokratie' aufgenommen. Mit Flaggen der Kampagne 'Herz einschalten – Rassismus ausschalten' vor öffentlichen Gebäuden und unterschiedlichen Aktionen wird klar Position gegen Rassismus in unserer Gesellschaft bezogen.
In diesem Jahr wird ein besonderer Fokus auf das Phänomen des antimuslimischen Rassismus gelegt. Zusammen mit dem Team des Präventionsprojektes 'VIELKLANG', das im Auftrag des Landes von der Türkischen Gemeinde Schleswig-Holstein (TGSH) getragen wird, soll am 18.03.2026 um 18:30 Uhr ein offenes Podiumsgespräch im Jugendzentrum 'GLEIS 21' organisiert werden, auf dem vor allem auch Betroffene zu Wort kommen. Moderiert wird die Veranstaltung von Evans Gumbe, dem Koordinator für Antirassismusarbeit innerhalb der 'Partnerschaft für Demokratie'.
„Muslimische Mitbürgerinnen und Mitbürger erfahren in besonderem Maße Ausgrenzung und Rassismus. In nahezu allen wissenschaftlichen Umfragen gibt ein Drittel der muslimischen Befragten an, Opfer von Diskriminierung oder Schikane aufgrund sichtbarer religiöser Zeichen, wie etwa ihrer Kleidung, geworden zu sein. Mit Blick auf die vielen muslimischen Menschen in unseren Gemeinden und unseren 10-Punkte-Aktionsplan gegen Rassismus bedeutet dies für uns einen besonderen Handlungsbedarf. Mit Unterstützung der „Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus“ (ECCAR) wollen wir daher auch in unserer lokalen Arbeitsgruppe gezielte Maßnahmen gegen antimuslimischen Rassismus entwickeln“, sagt Evans Gumbe. Die Veranstaltung soll hierzu ein Auftakt sein.
Ein weiteres Angebot innerhalb der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ schaffen der Verein Miteinander leben e.V. sowie die Volkshochschule Ratzeburg und Umland e.V. mit der erneuten Ausrichtung eines Chorworkshops. Das gemeinsame Chorprojekt 'POLITICALied' lädt vom 20.–22.03.2026 Menschen ein, ihre Stimme zu erheben – gegen Rassismus und Diskriminierung. Anmeldungen sind möglich unter miteinander.leben@t-online.de. Das Abschlusskonzert ist am 22.03.2026 um 16:00 Uhr im Ratssaal des Ratzeburger Rathauses vorgesehen.
Zudem plant die Volkshochschule Ratzeburg und Umland e.V. zusammen mit der lokalen Arbeitsgruppe 'Antirassismusarbeit im ländlichen Raum' die Ausrichtung eines Jugendkunstwettbewerbs unter dem Motto „WIR und DIE ANDEREN“ an den weiterführenden Schulen, der bis zu den Sommerferien laufen soll.
„Die Teilnahme an den ‚Internationalen Wochen gegen Rassismus‘ ist für die Stadt Ratzeburg und das Amt Lauenburgische Seen selbstverständlich. Solange wir vor unserer Haustür von Rassismus und Diskriminierung erfahren, müssen wir uns dagegen klar und eindeutig positionieren“, sagen Bürgermeister Eckhard Graf und Amtsvorsteher Heinz Dohrendorff mit Verweis auf die aktive Mitgliedschaft in der „Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus – European Coalition against Racism“ (ECCAR).
Das Chorprojekt 'POLITICALied' des Vereins Miteinander leben e.V. und der Ratzeburg Volkshochschule und Umland e.V. plant im Zuge der diesjährigen "Internationalen Wochen gegen Rassismus" wieder einen offenen Chorworkshop für. Im Mittelpunkt sollen Lieder stehen, die sich gegen Rassismus und Diskriminierung wenden. Mitmachen können alle, die gerne singen und ihre Stimme mit Haltung erheben möchten. Es werden keine Chorerfahrungen vorausgesetzt. Der Chor entsteht im gemeinsamen Workshop. Dafür sorgt Chorleiterin Anna Bertram. Sie bereitet ein Programm vor, das auch ungeübte Stimmen einbinden kann. Der festen Chormitglieder von 'POLITICALied' unterstützen und begleiten den Workshop mit ihrer Erfahrung. Jeder kann singen, gerade auch, wenn es um die so wichtige Botschaft geht, dass Rassismus in unserer Gesellschaft keinen Platz haben darf. Dazu braucht es vor allem Herz und dann erst Stimme. Genau das passiert beim gemeinsamen Chorsingen ... »Herz einschalten - Rassismus ausschalten«.
Der Chorworkshop ist für das dritte Märzwochenende geplant und startet am Freitag, den 20.03.2026, um 17:30 Uhr im Ratssaal des Ratzeburger Rathauses mit einem Kennenlernen und ersten Übungen. Am Samstag und Sonntag wird dann ganz tägig intensiv geprobt, um zum Abschluss auch gemeinsam ein öffentliches Konzert darbieten zu können. Gesucht sind jetzt Menschen, die mitsingen möchten, aus Spaß am Singen, aus Überzeugung für die Sache oder aus Freude an dem gemeinsamen Erleben. Anmeldungen werden unter miteinander.leben@t-online.de entgegengenommen.
Der Workshop wird gefördert durch die 'Partnerschaft für Demokratie' der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische im Rahmen des Bundesprogramms 'Demokratie leben!' und ist kostenfrei. Lediglich zur gemeinsamen Verpflegung muss ein Beitrag geleistet werden.
Die gemeinsame Antirassismusarbeit der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen im Zuge der Mitgliedschaft in der 'Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus – European Coalition against Racism' (ECCAR) wurde 2025 auf verschiedenen Ebenen erfolgreich vorangetrieben.
So wurde auf Initiative der Stadt und des Amtes im Frühjahr eine europäische Arbeitsgruppe zum Thema 'Antirassismusarbeit im ländlichen Raum' gegründet, der sich insgesamt 15 kleine und mittlere Städte des ECCAR-Netzwerkes aus Deutschland, Österreich, Luxemburg, Belgien, Frankreich, Spanien, Schweden und der Schweiz anschlossen. Auf Basis eines verbindlichen Arbeitsplans, der die Aspekte Erreichbarkeit, Sensibilisierung, Falldokumentation sowie die Beratung und Stärkung von Betroffenen umfasst, wurden drei Online-Arbeitssitzungen mit guten Ergebnissen für die Konzeptarbeit durchgeführt.
Diese Arbeitsgruppe wurde vor Ort spiegelbildlich nachgebildet, mit Betroffenen aus dem Umland und Mitgliedern des 'Bündnisses für Demokratie und Menschenrechte in Ratzeburg und Umland'. Auf diese Weise wurde der internationale Austausch mit konkreten Praxisbezügen unterlegt, aus denen sich bereits erste Ideen für eine bedarfsorientierte Projektarbeit ableiten ließen.
Als Glücksfall erwies sich dabei ein Kontakt zur University of Leicester, deren 'Centre for Hate Studies' im Frühjahr eine mehrjährige und viel beachtete Studie zu Rassismus im ländlichen Raum unter dem Titel 'The Rural Racism Project' veröffentlichte. Die Studiengruppe zeigte sich an der Praxisarbeit des ECCAR-Netzwerkes sehr interessiert und bereit, wichtige Studienergebnisse dort einzubringen.
Auf einer zweiten Ebene wurden konkrete Angebote in der Antirassismusarbeit mit direktem Bezug zum 10-Punkte-Aktionsplan gegen Rassismus entwickelt und durchgeführt. Schwerpunkt der Arbeit lag dabei vor allem auf dem Ziel 'Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung durch Bildung und Erziehung' mit Workshops in der Gemeinschaftsschule Lauenburgische Seen und bei der Nachwuchsretterwoche der DLRG Ratzeburg. An der Gemeinschaftsschule wurde überdies ein Workshopprogramm vorgestellt, das Angebote für die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern aller Klassenstufen, mit Lehrkräften sowie mit der Elternschaft beinhaltet.
Eine dritte Ebene der gemeinsamen Antirassismusarbeit lag im Aufbau eines Beratungs- und Unterstützungsangebotes für Betroffene von Rassismus. Zusammen mit dem Koordinator der Antirassismusarbeit, Evans Gumbe, wurden hier einfach erreichbare Zugänge entwickelt, die in den kommenden Wochen noch stärker beworben werden sollen. Dass hier noch viel Vertrauen aufgebaut werden muss, zeigte sich beim Angebot eines Empowerment-Workshops im Jugendzentrum 'STELLWERK', der mangels Teilnahme ausfallen musste. Eine solche Erfahrung ist nicht ungewöhnlich und wird auch aus anderen ECCAR-Städten berichtet. Menschen, die von Rassismus im Alltag betroffen sind, brauchen oft Zeit und Zuspruch, um helfende Angebote auch wahrzunehmen. Entsprechend sind hier vor allem Geduld und eine langfristige Perspektive gefragt.
Ebenso wichtig wie die Entwicklung konkreter Angebote war der Aufbau einer Öffentlichkeitsarbeit und die Entwicklung von Informationsangeboten. Hier konnte ein einheitliches Design für die gemeinsame Antirassismusarbeit von Stadt und Amt unter dem Motto 'Herz einschalten – Rassismus ausschalten' gestaltet werden. Mit Fahnen, Aktionsaufklebern und einem Roll-up zum 10-Punkte-Aktionsplan kann zukünftig um Mitwirkung und Unterstützung geworben werden.
Begleitet wurde die gesamte Antirassismusarbeit vor Ort durch das inspirierende ECCAR-Netzwerk. Bei den verschiedenen Tagungsangeboten im Jahresverlauf konnten zahlreiche Kontakte zu anderen Kommunen geknüpft und viele Ideen aus der gelebten Praxis gesammelt werden, die auch für die Stadt Ratzeburg und das Amt Lauenburgische Seen beispielhaft sein könnten. Besonders hilfreich dabei war eine erste Bewertung der in Ratzeburg getroffenen Maßnahmen durch den wissenschaftlichen Beirat der ECCAR, angesiedelt beim UNESCO-Zentrum für die Förderung von Menschenrechten in Gemeinden und Regionen an der Universität Graz: „Der wissenschaftliche Beirat gratuliert der Stadt Ratzeburg zu ihren erfolgreichen Bemühungen, das Übel des Rassismus in und durch ihre Politik, Verwaltung und Maßnahmen zu verhindern und zu bekämpfen, wie im vorliegenden Bericht bestätigt wird. Der Beirat würdigt das Engagement, das Bewusstsein sowie den menschenrechtsbasierten Ansatz der lokalen Behörden in Ratzeburg, begrüßt die Ausarbeitung des 10-Punkte-Aktionsplans und nimmt mit Interesse die Einrichtung einer Arbeitsgruppe zur Kenntnis, die mit der Umsetzung des Plans betraut ist.“
Insgesamt zeigte sich das örtliche Organisationsteam mit den erreichten Ergebnissen des Projektjahres sehr zufrieden und zuversichtlich, darauf im kommenden Jahr weiter gut aufbauen zu können. Insbesondere die lokale Arbeitsgruppe 'Antirassismusarbeit im ländlichen Raum' hofft, noch mehr Menschen – Betroffene wie auch Verbündete – erreichen zu können. Die Mitwirkung ist ausdrücklich erwünscht. Nur im gemeinsamen Handeln auf Augenhöhe lassen sich Rassismus und Diskriminierung wirksam überwinden. Interessierte können sich hier jederzeit unter herzein-rassismusaus@ratzeburg.de informieren.
Die gemeinsame Arbeit gegen Rassismus und Diskriminierung wird gefördert über die 'Partnerschaft für Demokratie' der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen im Rahmen des Bundesprogramms 'Demokratie leben!'.
Die Ratzeburger Stadtbücherei hat im Rahmen des städtischen '10-Punkte-Aktionsplans gegen Rassismus' einen Workshop zur Sensibilisierung für Rassismus und Diskriminierung durchgeführt. Ziel ist es, die Stadtbücherei als diskriminierungssensiblen Raum zu entwickeln, in dem sich alle Menschen willkommen und sicher fühlen können. Zusammen mit Antirassismus-Koordinator Evans Gumbe analysierten die städtischen Mitarbeiterinnen Vorfälle und Beobachtungen aus der alltäglichen Praxis, die zu Verunsicherungen geführt oder sogar eine Intervention erforderlich gemacht haben. Für Evans Gumbe waren die zitierten Fallbeispiele nicht ungewöhnlich. "Die Stadtbücherei ist ein öffentlicher Raum. Es treffen sich dort ganz unterschiedliche Menschen. Das kann immer auch zu Konflikten führen. Daher ist wichtig, dass die Belegschaft einen sensiblen Blick für Situationen hat und eine klare Haltung, dass diskriminierendes Verhalten nicht akzeptiert wird. Beides lässt sich trainieren, durch Übungen und kollegiale Fallberatung", so Evans Gumbe. In diesem Sinne zeigte er verschiedene Möglichkeiten, um auf kritische Situationen handlungssicher und umsichtig reagieren zu können. Das Prinzip sei, die Betroffenen in einer solchen Situation zu unterstützen und die Stadtbücherei als diskriminierungsfreien Ort deutlich zu vertreten.
In den gemeinsamen Diskussionen wurde aber auch das eigene Verhalten reflektiert und die Wirkungsmacht von Stereotypen erörtert. Dabei ging es darum, sich bewusst zu machen, dass diskriminierendes Verhalten auch bei einem selbst ungewollt auftreten kann, aufgrund von Wissenslücken oder unbewussten Zuweisungen von Eigenschaften. Die Reflexion half hier, zu einer eigenen Achtsamkeit zu finden, aus der heraus eine Positionierung gegen Rassismus erwachsen kann. Die Mitarbeiterinnen zeigten sich vom Verlauf des Workshops beeindruckt und vereinbarten mit Evans Gumbe eine Fortsetzung im kommenden Jahr.
Der Workshop wurde gefördert durch die 'Partnerschaft für Demokratie' der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen im Rahmen des Bundesprogramms 'Demokratie leben!'.
Im Rahmen ihrer Antirassismusarbeit "Herz einschalten - Rassismus ausschalten" organisiert die 'Partnerschaft für Demokratie' der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen am 22.11.2025 von 10:00 - 14:00 Uhr einen Empowerment-Workshop für Mädchen und junge Frauen mit Rassismuserfahrung im Jugendzentrum 'GLEIS21' (Saarlandstraße 2). Der Workshop wird angeleitet von zwei fachkundigen Referentinnen aus der Antirassismusarbeit. Beide mussten selbst Erfahrungen mit Rassismus machen. Sie wollen anderen dabei helfen, darüber zu sprechen, um so einander zu stärken. Dafür wird ein geschützter Raum geschaffen für den offenen Erfahrungsaustausch geschaffen.
„Ich bin Evans Gumbe aus Ratzeburg. Ich bin dort als Ansprechpartner und Berater für Betroffene von Rassismus und Diskriminierung tätig. Zusammen mit der 'Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen' organisiere ich Antirassismus-Workshops zum Empowerment und zur Sensibilisierung. Bitte nutzt die Möglichkeit über Eure Erfahrungen zu sprechen. Es ist so wichtig, nicht darüber zu schweigen. Ich weiß das als Betroffener“, sagt Evans Gumbe Koordinator für Antirassismusabeit bei der 'Partnerschaft für Demokratie'.
Der Workshop wird gefördert über das Bundesprogramm 'Demokratie leben!' vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Frauen, Senioren und Jugend.
Mit Bestürzung hat die Stadt Ratzeburg vom Auffinden eines brennenden Koran in der Domstraße erfahren. Diese Nachricht erfüllt mit großer Sorge. "Das friedliche und tolerante Miteinander und der gesellschaftliche Zusammenhalt sind Selbstverständnis in unserer Stadt. Eine solche Tat steht gegen all unsere Werte. Ich bin unserer Polizei sehr dankbar, dass sie den Vorfall mit entsprechender Sensibilität und Nachdruck ermittelt", sagt Bürgermeister Eckhard Graf.
Evans Gumbe, Antirassismuskoordinator für die 'Partnerschaft für Demokratie' der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen ergänzt: "Migrantinnen und Migranten, die im schönen Ratzeburg heimisch geworden sind, fühlen sich schon weniger sicher aufgrund zunehmender Diskriminierungserfahrungen in unserem Land. Solche Taten verbreiten noch mehr Angst und versuchen unsere Gesellschaft weiter zu spalten. In solch schwierige Zeiten brauchen wir als Gesellschaft mehr Solidarität und Zusammenhalt. Es ist die Aufgabe aller Menschen, unsere demokratische Prinzipien zu schützen und betroffene Menschen zu unterstützen."
In Ratzeburg soll es vergangenen Mittwoch nach Medienberichten auf dem Marktplatz zu einem gewaltsamen Übergriff gegen eine junge syrische Frau gekommen sein. Es besteht der Verdacht eines rassistischen Motivs, da im Vorwege der Tat entsprechende Beleidigungen von einer Zeugin wahrgenommen wurden. Die Polizei ermittelt aktuell das Tatgeschehen und sucht weitere Zeugen. Die Stadt Ratzeburg hat diese Nachricht mit Bestürzung aufgenommen. "Die Vorstellung, dass es bei uns mitten in Ratzeburg ganz offen zu einer rassistisch motivierten Straftat gekommen sein kann, ist unerträglich. Das ist und darf nicht die Weise sein, wie wir hier miteinander zusammenleben. Ratzeburg ist ein Ort für alle Menschen", sagt Bürgermeister Eckhard Graf. Er verweist dabei auf das jüngst von der Stadtvertretung beschlossenen 'Selbstverständnis zur Antirassismusarbeit' im Rahmen von Ratzeburgs Mitgliedschaft in der 'Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus - European Coalition of Cities against Racism' (ECCAR). "Jede Form von Rassismus und Diskriminierung gefährdet unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt und damit unseren Frieden in der Stadtgesellschaft", betont Eckhard Graf.
„Es trifft mich persönlich und macht mich zutiefst betroffen, wenn man sich vorstellt, dass ein rassistisch motivierter Übergriff ausgerechnet in Ratzeburg stattgefunden haben könnte. In meiner Funktion als Koordinator für Antirassismusarbeit und auch als Betroffener weiß ich, wie wichtig es ist, dass wir Rassismus konsequent und unmissverständlich sichtbar machen und gemeinsam dagegen stehen. Rassismus hat in unserer Stadt keinen Platz. Wir müssen Betroffene stärken, alle Vorfälle ernst nehmen und als Stadtgesellschaft deutlich zeigen, dass wir solidarisch zusammenstehen“, sagt Evans Gumbe, Koordinator für Antirassismusarbeit in Ratzeburg und Umland.
Rassismus zu überwinden ist das Ziel, das sich die Stadt Ratzeburg mit ihrer ECCAR-Mitgliedschaft und ihrer Kampagne »Herz einschalten – Rassismus ausschalten« gegeben hat. Eine Arbeitsgruppe mit Verantwortungsträgern und Betroffenen entwickelt hier gemeinsame Strategien zur wirksamen Antirassismusarbeit im ländlichen Raum. Dazu gehört die Unterstützung und Stärkung von Betroffenen, die Sensibilisierung in der Mehrheitsgesellschaft und die Dokumentation von Vorfällen. Ein solcher Vorfall, sollte er sich in seiner Motivation bestätigen, wird den Ansporn dieser Arbeitsgruppe, die immer offen für Mitwirkung ist, weiter stärken. Hinweise zu rassistischen Vorfällen können in Ratzeburg jederzeit gemeldet werden unter 04541-8000-985, 0157-55901745 oder unter herzein-rassismusaus@ratzeburg.de.
Unter dem Motto "Herz einschalten - Rassismus ausschalten" wirkt das 'Bündnis für Demokratie und Menschenrechte Ratzeburg und Umland' aktiv an der Umsetzung des '10-Punkte -Aktionsplans gegen Rassismus' mit, auf dessen Grundlage die Stadt Ratzeburg und das Amt Lauenburgische Seen 2024 Mitglied in der 'Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus - European Coalition of Cities against Racism' (ECCAR) geworden ist. So wurde im Bündnis eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die gemeinsam mit anderen Mitgliedern der europäischen Städtekoalition wirksame Konzepte für Antirassismusarbeit im ländlichen Raum entwickeln will. Ebenso wurde ein Selbstverständnis für die eigene Antirassismusarbeit im Rahmen der ECCAR-Mitgliedschaft entwickelt, das sowohl von der Stadtvertretung in Ratzeburg und dem Amtsausschuss des Amtes Lauenburgische Seen einstimmig oder mehrheitlich beschlossen wurde.
Auf seiner jüngsten Sitzung hat das Bündnis nun auch eine Vertrauensperson bestimmt. Evans Gumbe aus Ratzeburg hat sich dafür zur Verfügung gestellt. Er ist beruflich als interkultureller Trainer in der Antirassismusarbeit unterwegs und auch Beauftragter für Rassismus im Forum für Migrantinnen und Migranten in der Hansestadt Lübeck. "Ich lebe seit vielen Jahren in Ratzeburg und wünsche mir eine rassismus- und diskriminierungsfreie Umgebung für alle Menschen vor Ort. Dafür will ich mich einsetzen, als Ansprechpartner für Betroffene von Rassismus und Diskriminierung, aber auch für Verantwortungsträger in Fragen von Prävention und Schulungen", sagt Evans Gumbe. Er ist für Beratungen und Anfragen ab sofort erreichbar unter 04541-8000-985, unter 0157-55901745 oder unter herzein-rassismusaus@ratzeburg.de.
"Mit der Einrichtung einer Vertrauensstelle erreichen wir einen wichtigen Meilenstein in unserer Antirassismusarbeit, wie wir sie im 10-Punkte-Aktionsplan festgelegt haben. Dass wir Evans Gumbe mit seiner Erfahrung für diese Aufgabe gewinnen konnten, ist ein großer Gewinn für uns im Bündnis und alle Menschen in Ratzeburg und im Amtsbereich", sagt Bündnissprecherin Gesine Biller.
Die Volkshochschule der Stadt Ratzeburg und Umland e.V. steht seit vielen Jahren immer wieder im Fokus rechtsextremer Aktivitäten, die sich maßgeblich gegen ihre Integrationsarbeit mit Geflüchteten richtet. Es begann 2017 mit der mutwilligen Zerstörung einer Plakatausstellung im Rahmen der 'Internationalen Wochen gegen Rassismus', welche die Volkshochschule in den Räumlichkeiten der Ernst-Barlach-Schule präsentierte und setzte sich in den Jahren mit wiederkehrenden Flyeraktionen im Schulgebäude fort, die rechtsextreme oder rassistische Inhalte verbreiten. Auch direkte Anfeindungen gegen die Volkshochschule, wie im Vorwege der 'Langen Nacht für Demokratie' gehören dazu. In der jüngsten Zeit sind es gezielte Aufkleberaktionen, die in einer völkisch-rassistischen Ideologie die 'Remigration', also die millionenfache Vertreibung von Menschen, die in Deutschland leben, fordern. Ganz aktuell wurde wieder solch ein Aufkleber aufgefunden, präsent und in einiger Höhe beim Büro der Volkshochschule im ersten Stockwerk der Ernst-Barlach-Schule befestigt.
Für Bürgermeister Eckhard Graf und VHS-Geschäftsführerin Silvia Tessmer sind die Zielrichtungen dieser Aktionen eindeutig erkennbar. Sie richten sich zuallererst gegen die Geflüchteten, die sich integrationswillig bei der Volkshochschule um deutsche Sprachkenntnisse bemühen und mit großem Lernwillen auch erzielen. Sie richten sich aber auch direkt gegen die Institution der Volkshochschule, die sich mit ihren vielen Sprachkursen den letzten Jahren für eine gelingende Integration einsetzt und eine erfolgreiche Bilanz vorweisen. Beides wird von den Verantwortlichen dieser Aktionen aus offensichtlich rassistischen Motiven negiert und angefeindet. "Wir bekennen uns als Stadt Ratzeburg mit unserer Mitgliedschaft in der 'Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus' klar und deutlich für eine diskriminierungsfreie Stadtgesellschaft, in der niemand in Angst und mit der Erfahrung offener oder versteckter Ablehnung leben soll. Solche Aktionen mit ihrem volksverhetzenden Charakter sollen Hass und Zwietracht zwischen uns säen. Diese lassen wir in Ratzeburg aber niemals gedeihen", sagte Eckhard Graf und ließ es sich nehmen, den Aufkleber eigenhändig zu entfernen.
Im Anschluss suchte der Bürgermeister das Gespräch mit Sprachschülerinnen der Volkshochschule, die sich nach erfolgreicher Sprachprüfung zu einem gemeinsamen, interkulturellen Frühstück zusammengefunden hatten. Er erfuhr dabei neben vielen persönlichen Geschichten auch von den Schwierigkeiten, die sich aktuell ergeben, wenn die so wichtigen Sprachkurse aufgrund finanzieller Sparmaßnahmen seitens des Bundes und des Landes tatsächlich nicht weiter gefördert werden. "Dieser Spracherwerb ist für unsere Integrationsanstrengungen in der Stadt so ungemein wichtig und ich empfinde es als wirklich zu kurz gedacht, dass gerade hier Sparmaßnahmen ansetzen sollen. Darüber muss an entscheidender Stelle noch einmal dringend nachgedacht werden", so Graf.
Die wiederholten rassistischen und rechtsextremen Anfeindungen gegen die Ratzeburger Volkshochschule sind nicht nur Angriffe auf eine Bildungseinrichtung, sondern ein direkter Angriff auf das Grundverständnis einer offenen, solidarischen und demokratischen Gesellschaft.
Wer Menschen anfeindet, weil sie sich sprachlich und gesellschaftlich integrieren wollen, greift unser friedliches Zusammenleben und unsere gemeinsamen Werte an. Ich danke der Volkshochschule und allen Beteiligten, die sich trotz dieser Einschüchterungsversuche weiter für Teilhabe und Chancengleichheit einsetzen.
Die rassistischen Anfeindungen gegen die Ratzeburger Volkshochschule treffen mich nicht nur als Antirassismus-Koordinator, sondern auch persönlich. Als Schwarzer Mensch, der selbst nach Deutschland migriert ist, weiß ich, wie wichtig sichere Orte des Lernens und der Begegnung sind – gerade für Menschen, die hier ankommen und Teil dieser Gesellschaft werden möchten.
Als Koordinator für die Antirassismusarbeit der Partnerschaft für Demokratie stehen wir solidarisch an der Seite der Betroffenen und werden weiterhin mit Nachdruck daran arbeiten, rassistischen und demokratiefeindlichen Tendenzen in unserer Stadt entschieden entgegenzutreten.
Mit einem großen Chorworkshop und Chorkonzert unter dem Motto "Herz einschalten - Rassismus ausschalten" gingen am vergangenen Wochenende die 'Internationalen Wochen gegen Rassismus' in Ratzeburg zu Ende. Auf Einladung des Vereins Miteinander leben e.V. und der Ratzeburger Volkshochschule trafen sich über 30 Sängerinnen und Sänger mit und ohne Chorerfahrung in der Aula der Lauenburgischen Gelehrtenschule im Chorprojekt "POLITICALied", um frei nach der Devise "Die Stimme erheben...", Lieder gegen Rassismus und Diskriminierung einzustudieren. Ihr Ziel, ein gemeinsames Chorkonzert im Ratssaal des Ratzeburger Rathauses. Sie wurden angeleitet von Anna Bertram und Nathaniel Damon, beide sehr erfahren in der Arbeit mit Laienchören. Mit viel Einfühlungsvermögen, Zutrauen und Spaß formten sie an nur zwei Tagen einen stimmgewaltigen Chor, der von seinem eigenen Klang selbst überrascht war.
So hielt sich die Aufregung vor dem großen Konzertabschluss im Wissen des eigenen Könnens auch in Grenzen, allerdings nur bis zu dem Moment, als sich der Ratssaal bis auf den letzten Platz füllte. Mehr 60 Besucherinnen und Besucher erschienen, um gemeinsam den Abschluss der 'Internationalen Wochen gegen Rassismus' in Ratzeburg zu feiern. Ihnen wurde ein kraftvolles Musikprogramm geboten, mit einer eindringlichen Botschaft: "Break'em all down ... these walls between uns!", in die alle Anwesenden einstimmten und das gesamte Rathaus mit einem großen Klang füllten. Aber auch die leisen Töne waren zu hören, als beispielsweise das Lied "You've got to be taught" erklang, das davon berichtet, wie Rassismus über die Erwachsenen auch in die Köpfe von Kindern gelangt. Der Ausblick des Konzertes war aber positiv und voller Überzeugung, dass Rassismus und Diskriminierung gemeinsam überwunden werden können.
Dass sich die Stadt Ratzeburg und das Amt Lauenburgische Seen dieser Aufgabe mit ihrem 10-Punkte-Aktionsplan im Rahmen der Mitgliedschaft in der "Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus - European Coalition against Racism" sehr klar verschrieben hat, konnte Mark Sauer von der Stadt Ratzeburg dem Publikum präsentieren. Er verwies darauf, dass diese Arbeit am Aktionsplan Personen und Institutionen zum Mitmachen auffordert, wie es dessen Selbstverständnis klar formuliert.
Der Chorworkshop und das Chorkonzert wurden gefördert durch die Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen im Rahmen des Bundesprogramms 'Demokratie leben!'.
Mit einem Chorkonzert unter dem Titel "Herz einschalten - Rassismus ausschalten" werden am 30.03.2025 um 16:00 Uhr im Ratssaal des Ratzeburger Rathauses (Unter den Linden 1) die 'Internationalen Wochen gegen Rassismus' in Ratzeburg und dem Umland ausklingen. Das Chorprojekt 'POLITICALied' werden unter Leitung von Anna Bertram und Nathaniel Damon die Ergebnisse eines Workshopwochenende präsentieren, an dem sich Menschen frei zusammengefunden haben, um ihre Stimme gegen Rassismus zu erheben. Mit viel Herz und Mut werden die eingeübten Lieder präsentiert, die sich thematisch alle mit dem Wesen von Rassismus und mit Rassismuserfahrungen auseinandersetzen.
Unterstützt werden die Sängerinnen und Sänger in ihrem Programm von weiteren Solo- und Chorbeiträgen der Chorleitung und des Chores 'POLITICALied'. Gemeinsam wollen sie daran erinnern, dass alle eine Verantwortung tragen, wenn es um die Überwindung von Rassismus und Diskriminierung geht. Dafür erheben sie an diesem Tag ihre Stimme und werden auch zum Mitsingen werben.
Das gemeinsame Chorprojekt des Vereins Miteinander leben e.V. und der Volkshochschule Ratzeburg und Umland e.V. wird gefördert über die 'Partnerschaft für Demokratie' der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen im Rahmen des Bundesprogramms 'Demokratie leben!'. Der Eintritt ist frei, der Zugang barrierefrei möglich. Auch Anmeldungen zum Chorworkshop sind weiterhin möglich unter miteinander.leben@t-online.de. Dieser startet am 28.03.2025 um 17:00 Uhr in der Aula der Lauenburgischen Gelehrtenschule.
Auch in diesem Jahr zeigen die Stadt Ratzeburg und das Amt Lauenburgische Seen gemeinsame wieder Flagge gegen Rassismus. Sie tun dies anlässlich der 'Internationalen Wochen gegen Rassismus', die in diesem Jahr unter dem Motto "Menschenwürde schützen" in Deutschland zum 30. Mal begangen wird. Hier und weltweit erinnern Menschen mit tausenden Aktionen rund um den "Internationalen Tag zur Überwindung von Rassendiskriminierung" an das Massaker im südafrikanischen Sharpeville 1960 und fordern engagierte Maßnahmen gegen Rassismus sowie eine Solidarität mit den Opfern und Betroffenen. Zu diesen Zielen bekennen sich auch die Stadt Ratzeburg und das Amt Lauenburgischen Seen in ihrem '10-Punkte-Aktionplan gegen Rassismus und Diskriminierung' und mit ihrer Mitgliedschaft in den 'Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus - European Coalition of Cities against Racsim" (ECCAR).
"Wir arbeiten in Ratzeburg kontinuierlich und stetig an dieser Herausforderung, Rassismus in unserer Stadtgesellschaft zu überwinden. Unter dem Motto "Herz einschalten - Rassismus ausschalten" laden wir dazu Bürgerinnen und Bürger, aber auch Institutionen ein, daran aktiv und verantwortlich mitzuwirken. Der Ort dafür ist das neu gegründet 'Bündnis für Demokratie und Menschenrechte in Ratzeburg und Umland'", sagte Bürgermeister Eckhard Graf. Auch für Amtsvorsteher Heinz Dohrendorff ist dieses gemeinsame Engagement gegen Rassismus und Diskriminierung von großer Bedeutung für die 25 Amtsgemeinden. "Wir stellen uns auch im ländlichen Raum dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe. Wir tun dies zusammen mit vielen kleinen Gemeinden in ganz Europa, mit denen wir in der 'Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus' eine Arbeitsgruppe gegründet haben. Unser Ziel ist es, gemeinsam tragfähige Konzepte für eine funktionierende Antirassismusarbeit im ländlichen Raum zu entwickeln, die Betroffenen hilft und die Herzen aller Menschen erreicht", so Heinz Dohrendorff.
Die Flaggen vor dem Ratzeburger Rathaus und vor dem Gebäude der Amtsverwaltung bringen dies in den kommenden 14 Tagen wieder zum Ausdruck. Hier wird gemeinsam gegen Rassismus und Diskriminierung gearbeitet. Die Aktion wird unterstützt durch die 'Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen' im Rahmen des Bundesprogramms 'Demokratie leben!'.
Das Chorprojekt 'POLITICALied' des Vereins Miteinander leben e.V. und der Ratzeburg Volkshochschule und Umland e.V. plant im Zuge der diesjährigen "Internationalen Wochen gegen Rassismus" einen offenen Chorworkshop. Im Mittelpunkt sollen Lieder stehen, die sich gegen Rassismus und Diskriminierung wenden. Mitmachen können alle, die gerne singen und ihre Stimme mit Haltung erheben möchten. Es werden keine Chorerfahrungen vorausgesetzt. Der Chor entsteht im gemeinsamen Workshop. Dafür sorgen zwei versierte Chorprofis, Anna Bertram und Nathaniel Damon. Sie bereiten ein Programm vor, das auch ungeübte Stimmen einbinden kann. Der festen Chormitglieder von 'POLITICALied' unterstützen und begleiten den Workshop mit ihrer Erfahrung. So gilt keine Ausrede, wie: "Ich kann nicht singen." Jeder kann singen, gerade auch, wenn es um die so wichtige Botschaft geht, dass Rassismus in unserer Gesellschaft keinen Platz haben darf. Dazu braucht es vor allem Herz und dann erst Stimme. Genau das passiert beim gemeinsamen Chorsingen ... »Herz einschalten - Rassismus ausschalten«.
Der Chorworkshop ist für das letzte Märzwochenende geplant und startet am Freitag, den 28.03.2025, um 17:00 Uhr in der Aula der Lauenburgischen Gelehrtenschule mit einem Kennenlernen und ersten Übungen. Am Samstag und Sonntag wird dann ganz tägig intensiv geprobt, um zum Abschluss auch gemeinsam ein öffentliches Konzert darbieten zu können. Gesucht sind jetzt Menschen, die mitsingen möchten, aus Spaß am Singen, aus Überzeugung für die Sache oder aus Freude an dem gemeinsamen Erleben. Anmeldungen werden unter miteinander.leben@t-online.de entgegengenommen.
Der Workshop wird gefördert durch die 'Partnerschaft für Demokratie' der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische im Rahmen des Bundesprogramms 'Demokratie leben!' und ist kostenfrei. Lediglich zur gemeinsamen Verpflegung muss ein Beitrag geleistet werden.
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»Herz einschalten – Rassismus ausschalten« - unter diesem Motto sind die Stadt Ratzeburg und das Amt Lauenburgische Seen im vergangenen Jahr der 'Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus' (European Coalition of Cities against Racism – ECCAR) mit jeweils einstimmigen Beschluss der Stadtvertretung und des Amtsausschusses beigetreten. Damit wurden die Verantwortung und Verpflichtung übernommen, in den Gemeinden und all ihren Institutionen ein Miteinander frei von Rassismus, Diskriminierung und Vorurteilen jeglicher Art zu schaffen. „Rassismus und Diskriminierung betrifft uns alle und fordert uns alle gleichermaßen heraus. Wir dürfen hier nicht wegschauen, sondern müssen unsere Blicke bewusst schärfen“, sagt Amtsvorsteher Heinz Dohrendorff.
Dafür werden im Jahresverlauf wiederkehrend kostenfreie Workshops mit erfahrenen Antirassismustrainerinnen und -trainer für Verwaltungen, Betriebe, soziale Einrichtungen oder Verein angeboten. Sie sollen für Rassismus und Diskriminierung sensibilisieren, einfache und praxisnahe Konzepte zu deren Überwindung vermitteln und Betroffene stärken. Alle Workshops richten sich nach den Bedürfnissen der anfragenden Institutionen und können in einem Zeitrahmen von 3 – 4 Stunden auch 'inhouse' angeboten werden. „Um Rassismus und Diskriminierung in unserer Gesellschaft zu überwinden, brauchen wir Empathie, Wissen, Haltung und Überzeugung. Wir alle können dazu einen Beitrag leisten, wenn wir uns dieser Aufgabe aktiv zuwenden. Darin möchten wir Sie mit unseren Workshopangeboten unterstützen“, sagt Bürgermeister Eckhard Graf.
Es sind dabei ganz unterschiedliche Inhalte und Schwerpunkte denkbar:
Die Workshops können für Gruppen mit bis zu 20 Personen durchgeführt werden. Auch für junge Menschen in Schulklassen oder Jugendgruppen ist das Workshopangebot geeignet. Die Inhalte orientierten sich immer an den Interessen und Fragen der Teilnehmenden, zielen in einem offenen Diskurs ohne Schuldzuweisung auf Selbstreflexion, Selbsterkenntnis und auf Verantwortungsübernahme.
„Rassismus und Diskriminierung sind tief in unseren gesellschaftlichen Strukturen verankert. Aber Veränderung beginnt mit Wissen, Selbstreflexion und Mut. In unseren Workshops schaffen wir einen Raum für ehrlichen Austausch, kritische Auseinandersetzung und gemeinsames Lernen. Mein Ziel ist es, Menschen zu befähigen, Rassismus zu erkennen, ihre eigenen Privilegien zu hinterfragen und aktiv für eine gerechtere Gesellschaft einzutreten“ , sagt Antirassismus-Trainer Evans Gumbe aus Ratzeburg. Er bietet ganz konkret während der 'Internationalen Wochen gegen Rassismus' Ende März zwei kostenlose Workshops an, am 18.03.2025 in der Zeit von 14:30 – 18:00 Uhr oder von 17:00 – 21:00 Uhr und am 25.03.2025 in der Zeit von 17:00 – 21:00 Uhr. Der Durchführungsort kann gemeinsam festgelegt werden.
Die Workshops können unter sauer@ratzeburg.de oder unter 04541-8000114 angefragt werden. Sie werden gefördert durch die 'Partnerschaft für Demokratie' der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen im Rahmen des Bundesprogramms 'Demokratie leben!'.
Auf Initiative der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen ist im ECCAR-Netzwerk am 5. Februar 2025 virtuell die neue Arbeitsgruppe „Kleine Städte und ländliche Gebiete“ gegründet worden stattfand. Sie zielt darauf ab, kleinere Kommunen in ihren Bemühungen zur Bekämpfung von Rassismus zu unterstützen, indem sie eine gemeinsame Plattform für den Austausch von Ressourcen, Strategien und bewährten Verfahren bietet.
Das Treffen begann mit einer herzlichen Begrüßung durch Heinz Dohrendorff, Leiter des Amtes Lauenburgische Seen, und einem Grußwort von Eckhard Graf, Bürgermeister von Ratzeburg, der betonte, wie wichtig es ist, unterstützende Strukturen für kleine Städte und ländliche Gebiete im Kampf gegen Rassismus zu schaffen. Mehr als 15 ECCAR-Mitgliedstädte nahmen an der Auftaktveranstaltung teil.
Die wichtigsten Diskussionen konzentrierten sich auf die Durchführung einer Bedarfsermittlung und die Frage, was die Arbeitsgruppe kleineren Städten bieten kann und wie sie von der Zusammenarbeit untereinander profitieren können. Ziel war es, die spezifischen Herausforderungen zu verstehen, mit denen diese Gemeinden konfrontiert sind, und Ressourcen, Strategien und bewährte Verfahren zur Stärkung der lokalen Antirassismusarbeit auszutauschen.
Die Stadt Ratzeburg und das Amt Lauenburgische Seen haben sich durch ihre Mitgliedschaft bei der 'European Coalition of Cities against Racism' (ECCAR) in einem 10-Punkte-Aktionsplan dazu verpflichtet, aktiv an der Überwindung von Rassismus und Diskriminierung zu arbeiten. Diese Aufgabe ist eine Herausforderung, die sportlich einer Langstrecke gleicht. Es gilt, kontinuierlich Einstellungen, Haltungen und Vorurteile zu verändern, die Grundlage für rassistische und diskriminierende Handlungsmustern und Strukturen sind. Ein erster Schritt ist die Vermittlung von Empathie mit den Betroffenen und von Wissen über die Funktionsweisen von Rassismus und Diskriminierung. Dabei hilft Evans Gumbe, ein interkultureller Trainer aus Ratzeburg, der die Antirassismusarbeit in Stadt und Amt im Zuge der ECCAR-Mitgliedschaft berät und koordiniert. Zum Jahresende startete er eine langfristig angelegte Fortbildungsreihe von Workshops, die in einem ersten Schritt der Sensibilisierung gegen über Rassismus und Diskriminierung dienen sollen.
Menschen aus Mehrheitsgesellschaft werden hier von Evans Gumbe eingeladen, in einen Erfahrungsaustausch zu treten und die Perspektive von Betroffenen einzunehmen. "Antirassismusarbeit hat ganz viel mit Selbstreflexion zu tun", sagt Evans Gumbe. Warum handle oder verhalte ich mich in bestimmten Situationen unbewusst ablehnend gegenüber Menschen, die mir fremd erscheinen? Was ist da in mir am Wirken? Welche Stereotype trage ich in mir und sind mir die bewusst? Solche Fragestellungen trägt Evans Gumbe in die Diskussion, ohne einen moralischen Zeigefinger zu erheben. "Antirassismusarbeit zielt nicht darauf ab, Schuld zuzuweisen, sondern Verantwortung zu übernehmen. Es ist wichtig, Rassismus zu dekonstruieren, Macht und Machtstrukturen zu erkennen und Betroffene aktiv zu unterstützen“, sagt Evans Gumbe. Gerade hier sensibilisiert das Gespräch mit Betroffenen von Rassismus und Diskriminierung. Evans Gumbe versucht in seinen Workshops in unterschiedlichen Aufgabenstellungen und Spielsituationen den Erfahrungshorizont von Betroffenen zu vermitteln, vor allem auch, was diese Erfahrungen mit den Menschen machen. Rassismus und Diskriminierung verbreiten Unsicherheit und Angst, machen klein und hilflos, zersetzen das Selbstwertgefühl. Das ist vielen Menschen aus der Mehrheitsgesellschaft oftmals überhaupt nicht klar. "In meinen Workshops erlebe ich immer wieder Betroffenheit bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wenn sie von rassistischen Erfahrungen hören, die sie selbst so nie machen würden. Diese Betroffenheit ist der erste Schritt zur Empathie mit den Betroffenen", führt Evans Gumbe aus.
In seinem ersten Sensibilisierungsworkshop in Ratzeburg, der mit Unterstützung der Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen im Rahmen des Bundesprogramms 'Demokratie leben!' ermöglicht wurde, konnte Evans Gumbe im 20-köpfigen Teilnehmerkreis durch diese Methode des Perspektivwechsels intensive und auch emotionale Gespräche und Diskussionen in Gang setzen und dabei erfolgreich die Erkenntnis vermitteln, dass Rassismus und Diskriminierung tatsächlich überwunden werden können ... wenn alle achtsam sind und es gemeinsam wollen.
Die Workshopreihe soll als wichtiger Bestandteil des 10-Punkte-Aktionsplans gegen Rassismus und Diskriminierung auch im neuen Jahr wiederkehrend und kostenlos angeboten werden, auch für Vereine, Verwaltungen, Betriebe oder Institutionen, die sich intern um ein diskriminierungsfreies und respektvolles Miteinander kümmern wollen. Evans Gumbe möchte dafür gerne Ansprechpartner sein und nimmt Anfragen unter evans.gumbe@bql.gmbh entgegen.
Rund 100 Engagierte aus Zivilgesellschaft, Verwaltung, Sicherheitsbehörden und Kommunalpolitik trafen sich Mitte November im Parchimer Solitär zur 15. Regionalkonferenz Rechtsextremismus und Demokratiestärkung, um gemeinsam Strategien auszutauschen, die die demokratische Kultur hierzulande stützen sollen. Vorbereitet war themenreiches Workshopprogramm zu zivilgesellschaftlicher Bündnisarbeit gegen Rechtsextremismus, zu rechtsextremen Strukturen im Naturschutz, zu queerem Leben im ländlichen Raum sowie zu Rechtsextremismus in Schule und Kommunen.
Im Einführungsvortrag stellte Professorin Dr. Júlia Wéber von der Hochschule Neubrandenburg die Ergebnisse einer aktuellen Studie zu “Demokratiegefährdenden Strukturen und Akteuren in der Region Rostock und die Gefährdung der Demokratie vor Ort” vor. Aus dieser Studie, die im Auftrag der Aktion Zivilcourage e.V. erstellt wurde, konnten die Teilnehmenden wichtige Erkenntnisse für ihre eigene Arbeit gegen Rechtsextremismus beziehen. Als wesentliche Handlungsempfehlungen der Studie wurden der Aufbau von Netzwerkkooperationen zu Polizei, Staatsschutz und Justiz, das konsequente Entgegenwirken gegen die Normalisierung rechter Symbole, Raumnahmen oder Straftaten, Fort- und Weiterbildungsangebote zu demokratiegefährdenden Strukturen und ein Ausbau von Angeboten in der außerschulischen Jugend- und Bildungsarbeit, die Ermöglichung aktiver Demokratieerfahrungen in partizipativen Formaten für alle Bevölkerungsgruppen sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der extrem rechten AfD auf kommunal- und landespolitischer Ebene genannt.
Letzteres wurde von den teilnehmenden Kommunalpolitiker*innen und Bürgermeister*innen besonders unterstrichen. Ein Bürgermeister einer Kleinstadt in Mecklenburg-Vorpommern beschrieb die fortwährende Auseinandersetzung mit rechtsextremen Strukturen und mit der AfD im Stadtparlament mit klaren Worten. Man könne dagegen nur bestehen, so seine Aussage, wenn man selbst eine klare Haltung gegen Rechtsextremismus entwickelt habe und diese auch vertrete, wenn man solidarisch umgeben sei von Menschen, die diese Haltung teilen und wenn man auf professionelle Beratung zurückgreifen könne, um sich gegen rechtsextreme Strategien zu wappnen. Er ließ in seiner Einlassung keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Bedrohung, die von rechtsextremen Strukturen im kommunalen Raum ausgeht. “Wenn die morgen an die Macht kommen, werden sie uns übermorgen abholen”, so seine durchaus nüchterne Einschätzung.
Professorin Dr. Júlia Wéber wies überdies darauf hin, dass rassistische Narrative eine große Wirksamkeit entwickeln können, um Menschen mit rechtsextremem Gedankengut in Berührung zu bringen. Diese Einschätzung teilte im Workshop “Rechtsextremismus in Kommunalpolitik & Gemeinwesen” ein Vertreter der Opferberatungseinrichtung ‘LOBBI M.-V.’. Er beschrieb rassistische Übergriffe als Hauptgrund für Beratungsanfragen, verwies aber auch auf einen massiven Anstieg der Beratungsfälle im Kontext von queerem Leben im ländlichen Raum.
Ein weiteres Schlaglicht der Studie, die Teilnahme von rechtsextremen Akteuren an Kampfsportevents, wurde von einem Vertreter des Landesportverbandes klar bestätigt. Er warnte vor der zunehmenden Bedeutung von ‘Martial-Arts’-Veranstaltungen für die rechtsextreme Szene, die sich dort in zum Teil großer Zahl engagieren oder treffen würde. Dieses Beispiel zeigt, wie flexibel die rechtsextremen Strukturen auf Trends aufspringen. Dies wurde auch im Workshop ‘Ökologie von rechts: Rechtsextreme Ideologien im Natur- und Umweltschutz’ deutlich. Völkische Ideologien nutzen gerne den Mantel des Ökologischen und versuchen so Anknüpfungspunkte in die Mitte der Gesellschaft zu finden.
Einig waren sich die Teilnehmenden während des gemeinsamen Austausches zur Empfehlung der Studie, dass alle Institutionen der Demokratieförderung verlässliche und langfristige Finanzierungskonzepte benötigen würden, um kontinuierlich und nachhaltig gegen die Herausforderungen von rechtsextremen Strukturen und Akteuren wirken zu können. Dies wurde vor allem auch im Workshop “Engagiert für Demokratie – engagiert gegen Rechtsextremismus!” diskutiert. Dort tauschten sich zivilgesellschaftlich Engagierte über ihre Erfahrungen und Möglichkeiten in der Arbeit gegen Rechtsextremismus aus.
Das Organisationsteam der 15. Regionalkonferenz Rechtsextremismus und Demokratiestärkung, zu dem das RAA-Regionalzentrum für demokratische Kultur Westmecklenburg, das Regionale Beratungsteam gegen Rechtsextremismus in Lübeck der AWO-SH, der Verein Miteinander leben e.V. in Mölln, die Stadt Ratzeburg und das angeschlossene Ratzeburger Bündnis sowie der Fachdienst Familie und Schule, der Kinder- und Jugendschutz des Kreises Stormarn gehören, zeigte sich mit deren Verlauf hochzufrieden. Insbesondere die Kooperation mit der ‘Partnerschaft für Demokratie des Landkreises Ludwigslust-Parchim’, die für einen optimalen Konferenzrahmen gesorgt hatte, wurde herausgestellt.
Der Verein Miteinander leben e.V. bietet am15.11.2024 von 16:00 – 20:00 Uhr in Ratzeburg einen 'Empowermentworkshop' für Betroffene von Rassismus und Diskriminierung. Für viele Menschen mit Migrationshintergrund, die in Deutschland leben, sind Rassismus und rassistische Diskriminierung alltägliche Realitäten. Sie machen Rassismuserfahrungen aufgrund ihrer dunklen Hautfarbe, ihrer ethnischen, kulturellen oder religiösen Herkunft und Zugehörigkeit, ihres Namens oder ihrer Sprache. Diese Formen von Rassismus reichen von beleidigenden Bemerkungen, Witzen und Kommentaren bis hin zu persönlichen Angriffen und struktureller Benachteiligung. Diese Erfahrungen sind nicht nur schmerzhaft und herabwürdigend, sondern für viele auch bedauerlicherweise zur "Normalität" geworden, die ihr Leben in vielerlei Hinsicht einschränken. Oft fühlen sich die Betroffenen mit ihren Erfahrungen machtlos und isoliert.
Darüber möchte Evans Gumbe, Lehrbeauftragter an der Universität Lübeck, interkultureller Trainer und Projektmanager im Bereich Internationales an der Technischen Hochschule Lübeck mit Betroffenen sprechen. Er will Wege aufzeigen, wie man sich gegen Rassismus und Diskriminierung wehren kann und wo man Hilfe und Unterstützung bekommt.
Eine Anmeldung für diesen Workshop wird erbeten unter: miteinander.leben@t-online.de. Der Workshop wird gefördert durch die Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen im Rahmen des Bundesprogramms 'Demokratie leben!'.
In der politischen Bildungsreihe "SelbstVerständlich Politik", die gemeinsam von der Volkshochschule Ratzeburg und Umland e.V. und dem Verein Miteinander leben e.V. organisiert wird, stellt Evans Gumbe am 05.11.2024, 19:00 Uhr im Ratssaal des Ratzeburger Rathauses auch mit Blick auf eigene Erfahrungen die Frage, ob Rassismus (un-)überwindbar ist?
Für viele Menschen mit Migrationshintergrund, die in Deutschland leben, sind Rassismus und rassistische Diskriminierung alltägliche Realitäten. Sie machen Rassismuserfahrungen aufgrund ihrer dunklen Hautfarbe, ihrer ethnischen, kulturellen oder religiösen Herkunft und Zugehörigkeit, ihres Namens oder ihrer Sprache. Diese Formen von Rassismus reichen von beleidigenden Bemerkungen, Witzen und Kommentaren bis hin zu persönlichen Angriffen und struktureller Benachteiligung. Diese Erfahrungen sind nicht nur schmerzhaft und herabwürdigend, sondern für viele auch bedauerlicherweise zur "Normalität" geworden, die ihr Leben in vielerlei Hinsicht einschränken. Oft fühlen sich die Betroffenen mit ihren Erfahrungen machtlos und isoliert.
Diesem Rassismus in den Köpfen von Menschen, in institutionellen Strukturen wirksam entgegenzuwirken ist eine große, gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Sie muss auf vielen Ebenen ansetzen und braucht einen ˈlangen Atemˈ sowie nimmermüdes, motiviertes und motivierendes Engagement vieler Menschen in allen Bereichen von Staat und Gesellschaft, wo Rassismus sich alltäglich zeigen kann. Vor allem aber braucht es dabei die aktive und selbstbestimmte Mitwirkung von Betroffenen von rassistischer Gewalt und Ausgrenzung. Darüber möchte Evans Gumbe, Lehrbeauftragter an der Universität Lübeck, interkultureller Trainer und Projektmanager im Bereich Internationales an der Technischen Hochschule Lübeck sprechen und diskutieren.
Der Vortrag wird über die Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen im Rahmen des Bundesprogramms 'Demokratie leben!' gefördert. Der Eintritt ist kostenlos. Der Veranstaltungsort ist barrierefrei erreichbar.
Die Mitgliedschaft der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen in der 'Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus ('European Coalition against Racism - ECCAR') hat konkrete Formen angenommen. Mit einem Delegierten waren die beiden Gebietskörperschaften erstmalig auf der Generalversammlung vertreten, die vom 23. bis 25. September in Heidelberg ausgerichtet wurde. Auf der Konferenz versammelten sich 88 Vertreterinnen und Vertreter von 60 ECCAR-Mitgliedsstädten sowie rund 200 Gäste von zivilgesellschaftlichen Organisationen, aus der Wissenschaft, EU-Institutionen, Interessengruppen und Bürgern, um sich über die gemeinsame Antirassismus- und Antidiskriminierungsarbeit auszutauschen, aber auch um das 20-jährige Bestehen der 'European Coalition against Racism' zu würdigen.
Diese vielfältige Gruppe beschäftigte sich mit einem breiten Themenspektrum, von der Auseinandersetzung mit strukturellem und institutionellem Rassismus über die Bedeutung lokaler Aktionspläne gegen Rassismus, der Bekämpfung von antimuslimischem Rassismus, Antisemitismus, antischwarzem Rassismus und Antiziganismus bis hin zur Bildung von Allianzen gegen Rechtsextremismus, und die Notwendigkeit der Erhebung von Gleichstellungsdaten. Der umfassende Charakter dieser Diskussionen spiegelte das besondere Engagement der ECCAR-Gemeinschaft wider, Rassismus aus allen Blickwinkeln zu bekämpfen. Es war eine inspirierende und gegenseitig Bestärkung, dass Europas Städte inklusiv, widerstandsfähig und engagiert im Kampf gegen Rassismus und alle Formen von Diskriminierung bleiben. Trotz der Herausforderungen, vor denen Europa mit der wiedergewonnenen Macht des Rechtsextremismus steht, war das Engagement der Konferenzteilnehmer für den Erfolg ein beruhigendes Zeichen für die entscheidende Rolle, die die lokale Arbeit gegen Rassismus spielt. Der Slogan der Konferenz "Don’t Let Europe Go Backwards" brachte die Notwendigkeit zum Ausdruck, die Menschenrechte und die Würde aller zu schützen. ECCAR-Mitgliedsstädte und ihre Partner kämpfen weiterhin gegen Polarisierung und hasserfüllte Narrative. Die Konferenz zeigte, wie Akteure vor Ort, deren Zusammenarbeit den Grundstein für die Wahrung der Demokratie in unseren Städten bildet, solidarisch und belastbar arbeiten können.
Ratzeburg und das Amt Lauenburgische Seen konnten als neue Mitglieder in diesem großen Kreis europäischer Städte und Metropolen viel vom fachlichen Austausch zur Antirassismusarbeit profitieren, aber auch eigene Akzente in das ECCAR-Netzwerk geben. "Als Delegierter habe ich die besondere Perspektive des ländlichen Raums einbringen können. So beeindruckend und kompetent die antirassistische Arbeit in Städten wie Hannover, Leuwen oder Barcelona gestaltet wird, musste ich immer wieder die Frage stellen, inwieweit auch kleine Gemeinde hier vorankommen können, die ganz andere Strukturen, Voraussetzungen und Ressourcen haben", sagt Mark Sauer von der Stadt Ratzeburg.Dieser Hinweis fand Gehör sowohl bei kleineren ECCAR-Mitgliedsstädten, aber auch bei großen Städten, die durchaus ihre Verpflichtung sahen, die kleinen Gemeinden in ihrem Einzugsgebiet in der antirassistischen Arbeit zu unterstützen. Seitens des ECCAR-Büros wurde das Angebot unterbreitet, eine neue Arbeitsgruppe mit ECCAR-Gemeinden des ländlichen Raums ins Leben zu rufen. Erste Impulse dazu werden von Ratzeburg und dem Amt Lauenburgische Seen ausgehen.
Das 'Ratzeburger Bündnis' hat sich in den Jahren 2008 - 2018 engagiert gegen rechtsextreme Umtriebe in der Region eingesetzt. Viele Menschen aus der Zivilgesellschaft schlossen sich in dieser Zeit zusammen und folgten den Aufrufen des ehemaligen Bürgermeisters Rainer Voß und der ehemaligen Pröpstin Frauke Eiben, gemeinsam und öffentlich sichtbar für Vielfalt und Demokratie einzustehen. In der Folge konnten rechtsextreme Strukturen, die sich im Stadtbild festzusetzen drohten, erfolgreich zurückgedrängt werden. Schlüssel zu diesem Erfolg waren vor allem Aufklärung, konsequente Stellungnahme und Widerspruch im öffentlichen Raum sowie Präventionsarbeit in den Schulen und Jugendeinrichtungen. Diese Arbeit des Ratzeburger Bündnisses ist 2017 maßgeblich in der Gründung der 'Partnerschaft für Demokratie' aufgegangen und wird dort seit nunmehr 8 Jahren ebenso konsequent und strukturbildend fortgesetzt. Das Ratzeburger Bündnis hat sich in diesen Jahren verstärkt in die Organisation der 'Regionalkonferenz Rechtsextremismus & Demokratiestärkung' eingebracht, für deren Gründung sie 2012 selbst gesorgt hatte.
Jetzt will das Bündnis auch wieder an anderer Stelle aktiv werden und Verantwortung übernehmen. Mit dem Beitritt der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen in die 'Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus' (ECCAR - European Coalition of Cities against Racism) ist die Aufgabe entstanden, einen "Runden Tisch gegen Rassismus" zu etablieren. Hier sollen wiederum engagierte Menschen aus der Zivilgesellschaft mit Betroffenen zusammenkommen, um über nichts Geringeres als die Überwindung von Rassismus und Diskriminierung im ländlichen Raum zu beraten und gemeinsam darauf hinzuwirken. "Stadtvertretung und Amtsausschuss haben einstimmig einen 10-Punkte-Aktionsplan zur Bewerbung bei der 'Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus' verbindlich beschlossen, der auch die Einrichtung eines solchen 'Runden Tisches' im Sinne einer Steuerungsgruppe vorsieht. Diese Aufgabe hat jetzt das 'Ratzeburger Bündnis' bereitwillig und mit Freude übernommen", sagt Mark Sauer von der Stadt Ratzeburg.
Auf einer ersten, reaktivierenden Sitzung in der Stadtbücherei wurde diese langfristige Arbeit am “10-Punkte-Aktionsplan“ jetzt aufgenommen, mit langjährig Aktiven, aber auch mit Betroffenen, die neu den Weg in das Ratzeburger Bündnis gefunden haben. Zusammen wurde der Maßnahmenkatalog des Aktionsplans analysiert und erste Arbeitsschwerpunkte festgelegt. Dazu gehört die Entwicklung einer Selbstverpflichtungserklärung, die die ECCAR-Mitgliedschaft als gesamtgesellschaftliche Aufgabe statuiert, der Aufbau von sensibilisierenden Fortbildungsangeboten in der Antirassismusarbeit und die Einrichtung eines Dokumentations- und Beratungsmanagement für rassistische und diskriminierende Vorfälle. Diese Arbeit verzahnt sich eng mit der Arbeit der "Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen", die mit Förderung und Expertise unterstützt. Sie wird überdies eingebunden in das Netzwerk der 'Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus', das diesen Prozess mit einem Schulterschluss und dem Fachwissen von 192 Städten in 23 Ländern Europas begleiten will. Wer Interesse hat, bei dieser Arbeit des Ratzeburger Bündnisses mitzuwirken, ist herzlich willkommen. Informationen gibt unter sauer@ratzeburg.de.
Die Stadt Ratzeburg und das Amt Lauenburgische Seen sind gemeinsam in die Europäische Städtekoalition gegen Rassismus (ECCAR - European Coaltion of Cities Against Racism) aufgenommen worden. Vorangegangen war eine mehrmonatige Bewerbungsphase, in deren Zuge ein 10-Punkte-Aktionsplan gegen Rassismus und Diskriminierung entwickelt und in den kommunalpolitischen Gremien beraten und beschlossen werden musste. Die Initiative zur Bewerbung war vom Begleitausschuss der Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen ausgegangen. Ein konkreter Fall und die Intervention einer Betroffenen hatte dort die Überlegungen reifen lassen, die Arbeit gegen Rassismus nicht mehr nur punktuell mit einzelnen Präventionsprojekten, sondern strukturell im Partnerschaftsnetzwerk anzulegen. Dabei half das Ziel, sich gemeinsam bei der ECCAR bewerben zu wollen.
Die Europäische Städtekoalition gegen Rassismus (ECCAR) ist ein Bündnis europäischer Städte, das gegründet wurde, um sich aktiv gegen Rassismus auf kommunaler Ebene einzusetzen. Um dieses Ziel zu erreichen, hat das Städtenetzwerk einen 10-Punkte-Aktionsplan erarbeitet und ermöglicht daneben auch den Austausch von Best Practice und Vernetzung zwischen den Städten im Bereich Antirassismus. Die Gründung des Bündnisses geht auf eine Initiative der UNESCO, der Internationalen Städte-Koalition gegen Rassismus (ICCAR), aus dem Jahr 2004 zurück. Derzeit gehören dem Netzwerk etwa 140 Städte und Gemeinden aus 23 verschiedenen europäischen Ländern an. Koordiniert wird die Arbeit der Koalition durch ihre Geschäftsstelle in der Stadt Heidelberg.
"Wir haben uns im vergangenen Jahr zusammen mit rund 30 engagierten Menschen aus Zivilgesellschaft und hauptamtlichen Institutionen der Herausforderung gestellt, einen 10-Punkte-Aktionsplan gegen Rassismus und Diskriminierung für Stadt und Amt zu entwickeln. Mithilfe von Betroffenen und mit Unterstützung der ECCAR-Kommune Lübeck konnten wir einen Leitfaden für unsere zukünftige Arbeit entwickelt, der beim Vorstand der Europäischen Städtekoalition überzeugen konnte", sagt Gesine Biller, Begleitausschussvorsitzende der Partnerschaft für Demokratie.
"Sowohl Stadtvertretung als auch der Amtsausschuss haben dem 10-Punkte-Aktionsplan zugestimmt und so das Startsignal für die gemeinschaftliche Bewerbung von Stadt und Amt gegeben. Im vergangenen Mai durften wir uns und unseren Plan bei ECCAR online vorstellen, zusammen mit weiteren Bewerbern aus Italien, der Schweiz und der Republik Moldau. Unser Aktionsplan, der dezidiert den ländlichen Raum in den Blick nimmt, fand beim Vorstand von ECCAR sehr großen Zuspruch und wir wurden mit viel Beifall in der Städtekoalition empfangen", berichtet Mark Sauer von der Stadt Ratzeburg vom erfolgreichen Bewerbungsprozess.
Mit der Mitgliedschaft bei der ECCAR stehen Stadt und Amt jetzt vielfältige Unterstützung für die Umsetzung des eigenen Aktionsplans und die damit verbundene antirassistische Arbeit zur Verfügung. Es sollen nachhaltige Strukturen entstehen und möglichst viele Menschen, Institutionen und Verantwortliche eingebunden und für gemeinsamen Kampf gegen Rassismus und für Vielfalt in unserer Gesellschaft gewonnen werden. Dabei helfen will der Ratzeburger Evans Gumbe, der als interkultureller Trainer viel Erfahrung mitbringt und sich bereitgefunden hat, die Umsetzung des Aktionsplans zu koordinieren. Ein wichtiger Schritt wird dabei die Reaktivierung des Ratzeburger Bündnisses sein, das vor einigen Jahren sehr erfolgreich gegen Rechtsextremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit wirken konnte. Mit der Umsetzung des 10-Punkte-Aktionsplan gegen Rassismus und Diskriminierung wartet jetzt eine neue Herausforderung auf das Bündnis.
Außer Frage steht dabei, dass sich die Partnerschaft für Demokratie im Rahmen des Bundesprogramms 'Demokratie leben!' weiter an dieser Arbeit beteiligt. "Wir haben den Impuls für die Bewerbung gesetzt, wir sehen uns da in der Verantwortung", betont Gesine Biller.
Eine aufmerksame Bürgerin hat vor wenigen Tagen das städtische Ordnungsamt über rassistische Schmierereien im Stadtgebiet informiert. Sie hatte an der seeseitigen Mauer der Parkpalette in der Straße 'Am Wall' zwei Schriftzüge entdeckt, die in menschenverachtender Wortwahl die Deportation von in Deutschland lebenden Ausländern forderten. Dabei wurde vor allem das Kriterium der Hautfarbe in beleidigender Weise betont. Bürgermeister Eckhard Graf hat diesen Vorfall in seiner Begrüßung zum Bürgerfest vor dem Rathaus anlässlich des 'Tages des Grundgesetzes' aufgegriffen und die Gäste zu einem gemeinschaftlichen Handeln gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit aufgerufen. Diesen Aufruf setze eine Gruppe von Jugendlichen aus den Ratzeburger Jugendzentren STELLWERK und GLEIS21 direkt in die Tat um. Sie baten den Bürgermeister, dieser rassistischen Schmierereien mit Graffitis der Liebe und Mitmenschlichkeit übersprayen zu dürfen und machten sich vom Festplatz unter Applaus der Anwesenden direkt auf den Weg. Vor Ort überdeckten sie die Schriftzüge mit Herzen und Botschaften für Vielfalt und Zusammenhalt.
Bürgermeister Eckhard Graf zeigte sich dankbar für dieses tatkräftige Engagement der Jugendlichen. "Ganz egal wie man politisch über das schwierige Thema 'Migration' denken möge, Rassismus darf in Ratzeburg keinen Platz haben. Das ist pure und widerliche Menschenverachtung. Dagegen müssen wir uns alle gemeinsam engagieren. Unsere Jugendlichen und aufmerksame Bürgerinnen und Bürger zeigen, wie es geht. Dafür bin ich sehr dankbar", sagte Bürgermeister Graf. Das Musikerduo Esther Jung und Lukas Kowalski unterbrachen bei der Rückkehr der Jugendlichen noch einmal ihr Abendkonzert beim 'Tag des Grundgesetzes', damit sie den Gästen kurz über ihren spontanen Einsatz berichten konnten. Das wurde lautstark gefeiert.
Der Ratzeburger Jugendbeirat zeigt sich zufrieden mit dem Verlauf seiner Demonstration, die am vergangenen Montag rund 200 Menschen unter dem Motto "Wir gegen Rechtsextremismus und Rassismus" auf die Straße brachte. In einem bunten Zug von Bahnhof bis zum Marktplatz brachten viele Menschen in Worten und Transparenten zum Ausdruck, dass menschenverachtendes Gedankengut in Ratzeburg und überall keinen Platz haben darf. Begleitet und angeleitet vom Chorprojekt 'POLITICALied' wurden diese Botschaft von vielen Menschen auch gesanglich nach außen getragen.
Auch auf der abschließenden Kundgebung wurde dies in verschiedenen Redebeiträgen von jungen Menschen sehr deutlich gemacht. Angelina Schlecht und Vivian Ndubuisi vom Ratzeburger Jugendbeirat zitierten das Grundgesetz und betonten die uneingeschränkte Geltung der Grundrechte für alle Menschen in Deutschland.
"Jeder Angriff auf die Würde eines Menschen, sei es aufgrund seiner Herkunft, seiner Religion oder seiner Hautfarbe, ist ein Angriff auf uns alle. Ein Angriff auf unsere Demokratie und unser Grundgesetz. Es ist unsere Pflicht, gemeinsam für eine Gesellschaft einzustehen, in der jeder Mensch unabhängig von seiner ethnischen Zugehörigkeit oder seinem sozialen Status gleiche Chancen und Rechte genießt. Auf dieser Demonstration sind viele Menschen zusammengekommen, die sich gegen Rassismus und Rechtsextremismus einsetzen und ein Zeichen dagegen setzten wollen", sagte Vivian Ndubisis, Vorsitzende des Ratzeburger Jugendbeirates.
Auch Lorenz Ehrke, Schülersprecher der Gemeinschaftsschule Lauenburgische Seen, wandte sich in seiner Ansprache gegen den verbreiteten Rassismus in vielen Köpfen, der sich in Ausgrenzung und auch Gewalt immer wieder auch offen zeige. Evans Gumbe beschrieb eindrucksvoll aus Sicht eines Betroffenen, wie es sich anfühlt, tagtäglich mit rassistischen Erfahrungen konfrontiert zu und umgehen zu müssen. Jan-Matis Bertermann, Schülersprecher des Berufsbildungszentrum (BBZ) in Mölln, beschrieb ähnliche Erfahrungen aus dem Schulalltag, die Jugendliche mit Migrationshintergrund oder queere Jugendliche immer wieder machen müssten. Er verlangte eine klare Haltung aller Demokraten und keine Übernahme rechtspopulistischer Positionen in den Diskursen zu Migration und Integration.
Die Kundgebung wurde souverän moderiert von Sophie Lenthe, Schülersprecherin der Lauenburgischen Gelehrtenschule und 2. Vorsitzende des Ratzeburger Jugendbeirates. Auch der musikalische Abschluss wurde von einer jungen Stimme gestaltet. Der Möller Rapper Jeroen sorgte mit seinem melodischen HipHop für eine ausgelassene Stimmung und einen entspannten Ausklang.
Die 'Internationalen Wochen gegen Rassismus' sind ein wiederkehrender Aktionszeitraum rund um den 'Internationalen Tag gegen Rassismus' am 21. März jeden Jahres. Dieser Tag erinnert an das Massaker von Sharpeville in Südafrika. Die 'Internationalen Wochen gegen Rassismus' laden seit 1979 Menschen weltweit ein, sich unter Botschaft "Zusammen gegen Rassismus - 100% Menschenwürde" persönlich zu engagieren. In Ratzeburg und dem Amt Lauenburgische Seen wird dieser jährliche Aufruf von der 'Partnerschaft für Demokratie' aufgenommen. Mit Flaggen der Kampagne "Herz einschalten - Rassismus ausschalten" vor öffentlichen Gebäuden und unterschiedlichen Aktionen wird diese Position gegen Rassismus in unserer Gesellschaft bezogen. Dies soll auch in diesem Jahr wieder erfolgen.
Der Ratzeburger Jugendbeirat möchte am 23.03.2024 zu einer Demonstration und Kundgebung gegen Rassismus und Rechtsextremismus aufrufen. Ihnen ist es ein wichtiges Anliegen, für eine Gesellschaft einzutreten, in der Rassismus überwunden ist und nur der Mensch zählt. "Wir müssen endlich lernen, uns als Menschen vorurteilsfrei zu begegnen. Rassismus ist eine Sache in unseren Köpfen. Es sind bösartige Vorstellungen über Menschen, die sich dort festgesetzt haben. Davon kann und muss sich jeder befreien", sagt Jugendbeiratsvorsitzende Vivian Ndubuisi. Die Demonstration wird um 14:00 Uhr am Ratzeburger Bahnhof beginnen und zum Marktplatz führen. Dort ist eine Abschlusskundgebung geplant, auf der vor allem junge Menschen und Betroffene sprechen wollen. Der Jugendbeirat hofft auf zahlreiche Unterstützung aus jeder Altersgruppe für ihre Anliegen und ihre Botschaft. "Wir wollen auch in Ratzeburg ein Zeichen für Mitmenschlichkeit und Menschenwürde setzen", sagt Sophia Lenthe, Schulsprecherin der Lauenburgischen Gelehrtenschule und Mitglied im Ratzeburger Jugendbeirat.
Die 'Partnerschaft für Demokratie' fördert überdies in diesem Zeittraum in den Grundschulen Ratzeburg und Sterley die Aufführung des Musiktheaters "Wolle & Gack", das in kindgerechter Weise, mal lustiger, mal nachdenklich zu Vorurteilen und Diskriminierung sensibilisiert. Jörg Rüdiger Geschke hat als Kreisfachberater für kulturelle Bildung diese Theatertournee an Grundschulen im Kreisgebiet organisiert.
Aber auch die Volkshochschule Ratzeburg und Umland e.V. zeigt sich engagiert. Zusammen mit dem Verein Rothener Hof e.V. präsentiert sie in der Zeit vom 12.03. - 26.03.2024 im Ratssaal des Ratzeburger Rathauses die Ausstellung "Flüchtlingsgespräche". Sie stellt Fluchterfahrungen aus unserer Geschichte und unserer Gegenwart in einen Dialog und wird mit einer musikalisch umrahmten Lesung am 12.03.2024 um 18:00 Uhr eröffnet.
Bürgermeister Eckhard Graf verweist im Zusammenhang mit 'Internationalen Wochen gegen Rassismus' auf den einstimmigen Beschluss der Ratzeburger Stadtvertretung, in diesem Jahr der 'Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus - European Coaltion of Cities against Racism" (ECCAR) beitreten zu wollen. "Wir haben mit Unterstützung unserer 'Partnerschaft für Demokratie' im vergangenen Jahr einen 'Aktionsplan gegen Rassismus' entwickelt. Dieser ist Grundlage für unsere Bewerbung, die wir aktuell vorbereiten. Wir hoffen, im Mai in dieses europäische Netzwerk aufgenommen zu werden und an den vielen Ideen, die dort zur Überwindung von Rassismus entwickelt werden, teilhaben zu können", sagt Bürgermeister Graf. Amtsvorsteher Heinz Dohrendorf vom Amt Lauenburgischen Seen begleitet diesen Weg und sieht sich dabei durch einen Ausspruch von Nelson Mandela inspiriert: "Niemand wird mit dem Hass auf andere Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ethnischen Herkunft oder Religion geboren. Hass wird gelernt. Und wenn man Hass lernen kann, kann man auch lernen zu lieben. Denn Liebe ist ein viel natürlicheres Empfinden im Herzen eines Menschen als ihr Gegenteil."
Der Begriff "Remigration", das Unwort des Jahres 2023, ist ein Kampf- und Propagandabegriff der rechtsextremen Szene. Damit wird in verharmlosender Weise der Plan zur millionenfachen Vertreibung von Menschen, die in Deutschland leben, beschrieben. Diese Deportationsfantasien rechtsextremer Kreise, die inzwischen auch in der Mitte der Gesellschaft salonfähig gemacht werden, gründen auf einer völkischen Ideologie der Rassenreinheit, die im Nationalsozialismus zur Staatsdoktrin wurde und dort zur millionenfachen Ermordung von Menschen führte, die als andersartig oder andersdenkend gebrandmarkt wurden.
Mit dem Begriff 'Remigration' wird diese Ideologie aktuell wieder aufgegriffen und in den politischen Diskurs gebracht. Remigration richtet sich dabei nicht nur gegen Menschen mit ausländischer Herkunft. Auch deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger mit Migrationshintergrund sind damit gemeint, ebenso Deutsche, die sich im Sinne einer gelingenden Integration für diese Menschen einsetzen und engagieren. Wie leicht dieser menschenverachtender Rassismus verfängt, zeigt sich bereits im Alltag, auch in Ratzeburg. So hat die Volkshochschule Ratzeburg wiederkehrend Erfahrungen mit rassistischer Propaganda im Haus der Ernst-Barlach-Schule machen müssen. Zumeist sind es Flyer mit rassistischen, teilweise rechtsextremen Inhalten, die im Eingangsbereich ausgelegt werden. In den vergangenen Wochen tauchte aber auch erstmalig der Begriff 'Remigration' auf, in Form von Aufklebern an Plakaten einer dort gezeigten Dauerausstellung.
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"Natürlich ist uns klar, warum gerade hier solche Pamphlete und Aufkleber regelmäßig auftauchen. Sie richten sich gegen unsere Sprachkurse, die wir hier seit 2015 für Geflüchtete durchführen", weiß Silvia Tessmer, Leiterin der Ratzeburger Volkshochschule zu berichten. Sie dokumentiert und entsorgt solchen Unrat. Für Bürgermeister Eckhard Graf sind diese Ausflüsse rechtsextremer Gedanken in der Ernst-Barlach-Schule unerträglich: "Unsere Volkshochschule engagiert sich seit vielen Jahren mit hohem Engagement für eine gelingende Integration von Menschen mit ausländischen Wurzeln. Viele hundert Sprachschülerinnen und Sprachschüler haben hier ihre Deutschkenntnisse erworben und damit ein Zeichen gesetzt, dass sie in unserer Gesellschaft ankommen und sich eigenverantwortlich einbringen wollen. Dass gerade ein solcher Ort gezielt für rassistische Propaganda missbraucht wird, muss uns aufschrecken. Schließlich wissen wir, die Botschaft dieser Aufkleber ist ernst gemeint."
Allerdings ist für Bürgermeister Eckhard Graf auch klar, dass diese Propaganda in Ratzeburg nicht verfängt. "Wir haben gerade in unserer Stadtvertretung den 10-Punkte-Aktionsplan gegen Rassismus verabschiedet, mit dem wir uns im Mai bei der 'European Coalition of Cities against Racism', der Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus, bewerben wollen. Und unsere Partnerschaft für Demokratie zwischen Stadt und Amt arbeitet kontinuierlich und sehr entschlossen gegen diesen Rechtsextremismus. Die Mitte der Gesellschaft ist hier hellwach und nicht bereit, solche widerlichen Diskurse in Ratzeburg unwidersprochen zu akzeptieren", so Graf. Genauso sieht es auch die Leitung der Volkshochschule. Sie ist mit eigenen Projekten gegen Antisemitismus und Rassismus bei der Partnerschaft für Demokratie aktiv und bezieht klar Position gegen dieses Gedankengut.
Bürgermeister Graf bittet darum, Aufkleber oder Flyer mit rechtsextremen oder rassistischen Inhalten, die im öffentlichen Raum aufgefunden werden, zu dokumentieren und im Rathaus anzuzeigen.
Auf der jährlichen Demokratiekonferenz der 'Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen' wurde Anfang Oktober über einen gemeinsamen Aktionsplan gegen Rassismus und Diskriminierung diskutiert. Hintergrund ist eine angestrebte Bewerbung bei der 'Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus - European Coalition of Cities against Racism' (ECCAR). Die ˈECCAR' ist ein Bündnis europäischer Städte, das gegründet wurde, um sich aktiv gegen Rassismus auf kommunaler Ebene einzusetzen. Um dieses Ziel zu erreichen, hat das Städtenetzwerk einen Zehn-Punkte-Aktionsplan erarbeitet und ermöglicht daneben auch den Austausch von Best Practice und Vernetzung zwischen den Städten im Bereich Antirassismus. Die Gründung des Bündnisses geht auf eine Initiative der UNESCO, der Internationalen Städte-Koalition gegen Rassismus (ICCAR), aus dem Jahr 2004 zurück. Derzeit gehören dem Netzwerk etwa 140 Städte und Gemeinden aus 23 verschiedenen europäischen Ländern an, unter anderem auch die Hansestadt Lübeck.
Um hier Mitglied werden zu können, muss die Kommune in den Handlungsfeldern des vorgegebenen Zehn-Punkte-Aktionsplans eigene Maßnahmen erarbeiten, die sie im Zuge der Mitgliedschaft zukünftig umsetzen will. Diese Aufgabenstellung wurde auf der Demokratiekonferenz angegangen. Rund 25 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus Zivilgesellschaft und Kommunalpolitik diskutierten in zwei Arbeitsrunden alle Punkte des Aktionsplanes und entwarfen dabei ein konkretes Maßnahmenpaket. Angeleitet wurden sie dabei von Gesine Gondesen und Evans Gumbe, die einfühlsam die Wirkungsmechanismen von Rassismus und Diskriminierung sowie deren Auswirkungen auf die betroffenen Menschen verdeutlichten. Begleitet wurde die Diskussion von Jana Christ vom Koordinationsbüro der 'ECCAR' in Heidelberg und von Sandra Rickert, die bei der Hansestadt Lübeck für den dortigen 'ECCAR-Aktionsplan' zuständig ist. In ihren Beiträgen wurde deutlich, dass eine Mitgliedschaft in der 'Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus - European Coalition of Cities against Racism' als Prozess zu verstehen ist, dem eine Selbstverpflichtung zugrunde liegt. Diese Selbstverpflichtung können Stadt und Amt auch als gemeinsame Bewerbung abgeben.
Das Ergebnis dieser Diskussion wurde nachfolgend als designierter Aktionsplan der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen zusammengefasst und soll nun in den jeweiligen kommunalen Gremien beraten werden. Sollte der Aktionsplan hier eine Zustimmung finden, könnte ein Beitritt zur 'ECCAR' im Mai 2024 erfolgen.
Die Demokratiekonferenz wurde gefördert über das Bundesprogramm 'Demokratie leben!" durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.