Einwohnerversammlung der Stadt Ratzeburg findet Zuspruch und Interesse
Format des offenen Bürgerdialogs ermöglichte Diskussion und Austausch
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Die erste Einwohnerversammlung der Stadt Ratzeburg seit sechs Jahren ist zur Freude von Stadtpräsident Andreas von Gropper auf viel Interesse gestoßen: Gut 160 Bürgerinnen und Bürger der Stadt versammelten sich am 11. Juni 2024 in der Aula der Lauenburgischen Gelehrtenschule, um den Ausführungen von Bauamtsleiter Michael Wolf zum aktuellen Stand der verschiedenen Bauprojekte in Ratzeburg zu folgen. Wolf gab eine detaillierte Übersicht über die Bau- und Planungsstände und stand als fachkundiger Ansprechpartner für Fragen aus dem Publikum parat. Ratzeburgs Feuerwehrchef Christian Nimtz informierte anschließend über das Warnkonzept der Stadt Ratzeburg zur Alarmierung der Bevölkerung in Notfallsituationen und gab wichtige Tipps zur Eigenvorsorge.
Aus den Reihen der Einwohnerinnen und Einwohner wurden verschiedene Anliegen zur Diskussion gestellt. So trug Paul Tessmer vom Ratzeburger Jugendbeirat die Anregung vor, die Freilichtbühne im Bäker Gehölz wieder instand zu setzen und zu beleben. Die stimmberechtigten Einwohner beschlossen mehrheitlich, dieses Thema zur weiteren Beratung in die städtischen Gremien zu verweisen.
Auch Fragen zur Lärmbelastung durch das Kopfsteinpflaster 'Unter den Linden' oder eine Glassammelstation in der Albert-Schweitzer-Straße sowie der Fortbestand der Ratzeburger Feuerwehrtaucher wurden thematisiert. Von Interesse war zudem die Idee, einen Snackautomaten im Kurpark zu installieren.
Im Anschluss an die Einwohnerversammlung übernahm Moderator Jens Westen die Leitung des offenen Bürgerdialogs, an dem auch Interessierte aus dem Umland Rederecht hatten. Zunächst wurde über Möglichkeiten diskutiert, mehr offene Begegnungsangebote für ältere Menschen in der Stadt zu schaffen. Bürgermeister Graf skizzierte hier die Initiative zur demografischen Stadtplanung, die im Vorjahr gestartet worden ist und in ersten Etappenschritten zur Mitgliedschaft der Stadt Ratzeburg beim bundesweiten Netzwerk 'Engagierte Städte' und zur Einrichtung eines weiteren Seniorentreffs im Jugendzentrum GLEIS21 geführt hat. Auch Fragen zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen kamen auf. Hier konnte Bürgermeister Graf auf den sich neu konstituierenden Inklusionsbeirat der Stadt Ratzeburg und den von der Stadtvertretung beschlossenen 'Aktionsplan Inklusion' hinweisen.
Im Zuge des Bürgerdialogs stellte sich auch die Gruppe "Ratzeburg Mitte" vor, die seit einigen Wochen regelmäßig vor dem Ratzeburger Rathaus demonstriert. Sie wies auf soziale Missstände hin, die aus ihrer Sicht zu wenig Gehör in der Ratzeburger Stadtpolitik und darüber hinaus finden würden. Bürgermeister Graf beschrieb in seiner Antwort die politischen Zuständigkeiten und die beschränkten Möglichkeiten der Kommune, sozialpolitische Änderungen herbeizuführen. Er verwies hier an die Anwesenden aus der Landespolitik, die der Einladung zum Bürgerdialog gefolgt waren. Sophia Schiebe (SPD), Rasmus Vöge (CDU) und Oliver Brandt (Bündnis 90 / Die Grünen) nahmen diese Kritik auf und zeigten sich offen für Gespräche über die geäußerten Sorgen zum sozialen Zusammenhalt. Aber auch aus dem Forum kamen Nachfragen und Anregungen, soziale Anliegen nicht nur vorzutragen, sondern auch aktiv über bürgergesellschaftliches Engagement anzugehen.
Stadtpräsident Andreas von Gropper zeigte sich mit dem Verlauf der Einwohnerversammlung zufrieden und bezüglich des Bürgerdialogs nachdenklich: „In verschiedenen Beiträgen wurde bemängelt, dass die von Mehrheit getragene Demokratie zu wenig auf individuelle Probleme einginge und daher immer wieder an Bürgern vorbei entscheide. Ich erkenne das Problem, denke jedoch, dass dieser vermeintliche Schwachpunkt durch verschiedenste Interessensvertretungen und Institutionen gut abgefedert wird.“
Das belebende Format des offenen Bürgerdialoges wurde geförderte durch die Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen im Rahmen des Bundesprogramms 'Demokratie leben!'.

