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05.12.2022

Archivale 06/2022 - Aqua Siwa - Richtfest vor 50 Jahren

In der Reihe „Archivale des Monats“ werden seit 2009 ausgewählte Stücke aus dem Stadtarchiv Ratzeburg vorgestellt. Ein Archivale (Plural: „Archivalien“) ist eine im Archiv aufbewahrte Unterlage. Archivalien sind Unikate (Einzelstücke), sie sind als Originale also nur einmal vorhanden.


Das Stadtarchiv Ratzeburg bewahrt neben solchen Archivalien im engeren Sinne allerdings auch andere Zeugnisse aus der Vergangenheit der Stadt auf. So befinden sich in der Archivbibliothek und im Sammlungsbestand zahlreiche interessante Stücke, die ebenfalls in dieser Reihe präsentiert werden. Ergänzt wird diese Reihe durch Beiträge geschichtsinteressierter Bürger, die eigene Bilder, Dokumente oder Erinnerungen beisteuern können.

Das Stadtarchiv Ratzeburg möchte auf diesem Wege möglichst vielen Interessierten besondere Einblicke in den Archivbestand ermöglichen und gleichzeitig, Anregungen zu eigener Beschäftigung mit der Geschichte unserer Stadt geben. Stadtarchivar Christian Lopau erinnert in dieser Archivale an das Richtfest des Aqua Siwa vor 50 Jahren.

Archivale 06/2022 - Aqua Siwa - Richtfest vor 50 Jahren

Ein etwas kurioses Objekt aus dem Archivbestand stellen wir in diesem Monat vor. Es handelt sich um eine Konservendose mit Wasser aus dem Aqua Siwa, dem Mineralwasser-Hallenbad, dessen Richtfest vor 50 Jahren, am 1. November 1972 gefeiert werden konnte. Zahlreiche Ehrengäste nahmen an der Richtfeier für die erste Schwimmhalle im Kreis Herzogtum Lauenburg teil. Auch wenn Zuschüsse von Bund, Land und Kreis erheblich zur Finanzierung beitrugen, hatte das Projekt „den Finanzhaushalt der Stadt bis an die äußerste Grenze strapaziert“, wie Bürgermeister Dr. Peter Schmidt in seiner kurzen Ansprache betonte.

In unserem Rückblick wollen wir zeigen, welche Bedeutung die Schwimmhalle für die Entwicklung Ratzeburgs hatte. Mit der staatlichen Anerkennung der Stadt als Luftkurort durch die Landesregierung am 5. Juni 1967 schlug der Wirtschaftsförderungsausschuss weitere Maßnahmen vor. Die Kurortentwicklung wurde in enger Verbindung mit der Sanierungsplanung gesehen. Nach dem Sanierungsplan für die Stadtinsel sollte der Südteil der Insel dem Tourismus vorbehalten sein: Der Südstrand der Insel soll zu einem Kurbereich ausgebaut werden, der das Bewegungsbad, ein Kurmittelhaus (Haus des Kurgastes) und Promenadenwege umfasst, während der Kurbetrieb nach Ohlstädter Muster am Röpersberg durchgeführt werden soll.”


In den Mittelpunkt der Planungen rückte immer mehr die Errichtung eines Schwimmbades. Schon bei den vorbereitenden Gesprächen war das Vorhandensein eines Schwimmbades als “unerlässlich” bezeichnet worden. Ein Förderverein unterstützte die Vorbereitungen und die Finanzierung. Am 15. Mai 1971, dem Tag der Einweihung des neuen Kurparks, erfolgte der erste Spatenstich. Am 19. Oktober 1973 wurde das neue Bad, das von den Planern und Architekten Rudolf und Ingeborg Geier für 5,2 Mio. DM errichtet worden war, nach rund 14-monatiger Bauzeit der Öffentlichkeit übergeben. Ingeborg Geier hob in ihrer Ansprache zur Eröffnung hervor, „dass Ratzeburg mit dieser Schwimmhalle zukunftsorientiert und entwicklungskonform gehandelt habe. Die Zukunft werde den Skeptikern beweisen, dass die Investitionen nutzbringend angewandt seien.“


Um einen Namen für das neue Bad zu finden, wurde ein öffentlicher Wettbewerb ausgeschrieben. Unter den 300 eingereichten Vorschlägen zählten die Bezeichnungen „Inselbad“ und „Panoramabad“ mit zu den Favoriten. Letztlich fiel die Entscheidung auf den Vorschlag „Aqua Siwa“, der von Herbert Höpfner eingereicht worden war. 


Die eingangs erwähnte Dose mit dem Schwimmbadwasser trägt die Aufschrift 
„Löst selbst hartnäckigen Schmutz schonend und pflegend.“ – „Testvorschlag: Bei Zimmertemperatur ein Handbad nehmen. Sie merken sofort, wie rein und frisch ihre Hand wird. Das was Sie mit Ihrer Hand erreichen, erreichen Sie im Aqua Siwa mit dem ganzen Körper.“ Die Dosen wurden in der Vorweihnachtszeit 1977 auf dem Basar der Aktionsgemeinschaft Ratzeburg angeboten, an dem sich auch der Bürgerverein mit einem Informationsstand beteiligte. Der Bürgerverein wollte mit dieser Verkaufsaktion auf das „schöne Hallenschwimmbad aufmerksam machen.“
Quelle: Stadt Ratzeburg